Al Qaida schlägt in Indien zu
VON CHRISTINE MÖLLHOFF - zuletzt aktualisiert: 08.09.2011 - 02:30Neu-Delhi Indiens Hauptstadt Delhi wurde gestern vom schwersten Anschlag seit drei Jahren erschüttert – und es scheint, dass al Qaida nahe stehende Extremisten dahinterstecken. Die Täter hatten eine Aktentasche mit vier Kilogramm Sprengstoff am Haupttor von Delhis Oberstem Gericht abgestellt. Als die Bombe um 10.14 Uhr explodierte, drängten sich besonders viele Besucher am Einlass, weil das Gericht mittwochs immer Fälle von öffentlichem Interesse anhört. Die Detonation war so stark, dass sie einen 1,20 mal 1,20 Meter großen Krater in die Straße riss.
Mindestens elf Menschen starben, über 60 wurden verletzt. Die Terrorgruppe Harkat-ul-Jihad al-Islami (HuJI) bekannte sich in einer E-Mail zu der Bluttat. Innenminister Palaniappan Chidambaram sprach von einem Terrorakt, äußerte sich aber vorsichtig zu den Tätern. Man nehme die Bekennermail von HuJI sehr ernst, prüfe aber noch deren Echtheit. Die Regierung sieht sich Kritik ausgesetzt, das Volk nicht ausreichend zu schützen. Am 25. Mai war bereits eine kleinere Bombe vor dem Gericht explodiert. Medien mutmaßten nun, dass dies nur eine "Generalprobe" für den jüngsten Anschlag war.
Die HuJI, die von Pakistan und Bangladesch aus operiert, pflegt Kontakte zu al Qaida und gilt als eine der gefährlichsten Terrorgruppen Südasiens. Ihr Kommandeur Ilyas Kashmiri, der zugleich Al-Qaida-Mitglied war, ist angeblich am 3. Juni 2011 von US-Drohnen in Südwasiristan getötet worden.
Ähnlich wie Lashkar-e-Toiba (LeT) gilt auch HuJI als Ziehkind von Pakistans Geheimdienst. HuJI soll sich aber inzwischen gegen Pakistan gewandt und zahlreiche Attentate auf Militärs und Politiker verübt haben. In der Bekennermail droht HuJI weitere Anschläge auf Gerichte an, sollte Indien einen Mann hinrichten, der wegen der Attacke auf das indische Parlament 2001 zum Tode verurteilt wurde.
Sollte HuJI tatsächlich den Anschlag verübt haben, könnte dies die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan massiv belasten. Das Verhältnis zwischen den Erzfeinden hatte sich gerade erst wieder entspannt, nachdem die dreitägige Terrorattacke auf Mumbai im November 2008 die Atommächte in eine schwere Krise gestürzt hatte. Für diese Attacke wurden die ebenfalls in Pakistan ansässigen LeT-Terroristen verantwortlich gemacht.
Zehn Jahre nach dem 11. September 2011 erscheint Südasien instabiler als zuvor. Nicht nur in Indien kommt es immer wieder zu Anschlägen. Gestern schlug in Pakistan erneut der Terror zu: In Quetta rissen zwei Selbstmordattentäter über 24 Menschen mit in den Tod. Die meisten Opfer waren Sicherheitskräfte, aber auch Frauen und Kinder waren darunter.
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