Wenn der Kaffee dick macht
VON ULRIKE WINTER UND MORITZ STIEGLITZ - zuletzt aktualisiert: 08.10.2009 - 02:30Cappuccino, Frappuccino, Mochaccino: Viele modische Kaffee-Getränke können es kalorientechnisch mit einem Mittagessen aufnehmen. Nährwertangaben wären hilfreich. Doch nicht alle Café-Ketten setzen auf Transparenz.
Düsseldorf. Wer in einer Starbucks-Filiale auf einen Nachmittagskaffee vorbeischaut, verlässt sie – kalorientechnisch – schnell mit einem zweiten Mittagessen. So bringen es 355 Milliliter Cappuccino auf 122 Kilokalorien, 474 Milliliter Caffè Vanilla Frappuccino auf 310 Kilokalorien und 710 Milliliter Mint Chocolaty Chip Crème-Frappuccino mit Schokosahne sogar auf 680 Kilokalorien – den Nährwert, den viele Betriebskantinen für eine warme Mahlzeit veranschlagen.
Vom fetten Frappuccino bis zum vergleichsweise schlanken Caffè Latte: 239 Kilokalorien nehmen Kunden im Schnitt mit, wenn sie bei Ketten wie Starbucks oder Dunkin' Donuts ein Kaffeegetränk kaufen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Gesundheitsbehörden der Stadt New York – Hochburg der Coffee-to-go-Kultur – unter 2957 Kaffee-Käufern. In der Studie heißt es auch: Die Kunden würden auf kalorienärmere Kaffee-Getränke umsteigen – indem sie zum Beispiel Halbfettmilch verlangen oder auf Sirup verzichten – wenn sie auf die hohen Nährwerte hingewiesen würden.
In Deutschland sind Lebensmittelhersteller dazu bisher nicht verpflichtet. Zwar gibt es verschiedene Forderungen: NRW-Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU) etwa machte sich gestern im Landtag dafür stark, Lebensmittel mit einer Angabe des Energiegehalts pro 100 Gramm zu versehen. Auf diese Weise könne man "den Verbrauchern einen knappen Hinweis für eine Kaufentscheidung geben". Die Lebensmittel-Ampel halte er dagegen nicht mehr für sinnvoll, so der Minister. Die Ampel macht durch die Farben Rot, Gelb und Grün auf der Packung auf einen hohen, mittleren oder niedrigen Anteil an Zucker, Salz oder Fett aufmerksam.
Ernährungsexperten von Foodwatch und der Verbraucherzentrale befürworten diese einfache Form der Kennzeichnung. "Sie bietet Verbrauchern einen Einstieg in das Thema Nährwerte", sagt Isabelle Mühleisen von der Verbraucherzentrale NRW. Und das sei vor allem bei Fertig-Produkten notwendig, zu denen neben Pizzen auch der Kaffee gehöre, der sich als Kalorienbombe entpuppt. Peter Stehle, Professor am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Universität Bonn, bestätigt das: "Kaffee wird unterwegs getrunken – so stellt sich kein Sättigungsgefühl ein. Das Risiko, dass man im Laufe des Tages insgesamt zu viele Kalorien zu sich nimmt, steigt." Auch in der New Yorker Studie heißt es: Wer seine tägliche Energiezufuhr durch Kaffee von 2000 auf 2200 erhöht, nimmt binnen eines Jahres etwa neun Kilo Gewicht zu.
Erkenntnisse, auf die die Kaffee-Ketten unterschiedlich reagieren. Während Woyton- und McDonald's-Kunden im Internet nachlesen können, dass rund 300 Milliliter Cappuccino 81 beziehungsweise 75 Kilokalorien haben, macht Tchibo keine Nährwertangaben. Dafür gebe es weder die gesetzliche Notwendigkeit noch die Nachfrage von den Kunden, sagt ein Sprecher. Und bei Starbucks müssen sich Kaffee-Fans durch die amerikanische Homepage klicken, um wenigstens Richtwerte zu finden: "Nährwertangaben für deutsche Starbucks-Produkte gibt es nicht", sagt eine Sprecherin.
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