USA geben deutschen Schulverweigerern Asyl
VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010 - 02:30Uwe und Hannelore Romeike stammen aus Bietigheim- Bissingen in der Nähe von Stuttgart. Seit August 2008 leben sie mit ihren fünf Kindern in Morristown, einer Kleinstadt in Tennessee, im "Bibelgürtel" des konservativen Südens. Ihren Asylantrag begründeten sie damit, dass sie wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt würden. Der evangelikalen Lehre verbunden, nimmt das Ehepaar die Bibel weitgehend wörtlich. Seinen Nachwuchs lässt es nur in den eigenen vier Wänden lernen: Seit zehn bis 20 Jahren laufe der Lehrplan öffentlicher Schulen christlichen Werten immer stärker zuwider, begründet es der Familienvater.
Im September 2006 hatten die Romeikes ihre drei ältesten Kinder in Deutschland von der Schule genommen. Im Oktober wurden die drei von Beamten ins Klassenzimmer gebracht, was die Eltern in ihrer neuen Heimat in dramatischen Details schildern, vom Klingeln an der Haustür bis hin zur Drohung, die Tür einzutreten. Im November 2007 bestätigte der Bundesgerichtshof, dass der Besuch der staatlichen Grundschule der Durchsetzung des staatlichen Erziehungsauftrags diene. Es liege im Interesse der Allgemeinheit, dem Entstehen religiös oder weltanschaulich geprägter Parallelgesellschaften entgegenzuwirken. "Nach diesem Urteil", sagte Uwe Romeike der US-Nachrichtenagentur AP, "wussten wir, dass wir das Land verlassen mussten".
Der Musiklehrer verkaufte seine Klaviere, um den Umzug nach Tennessee zu finanzieren. Die "Home School Legal Defense Association" (HSLDA), ein Verband, der sich für den Heimunterricht einsetzt, stellte ihm einen Anwalt zur Seite. Familie Romeike habe "begründete Furcht vor Verfolgung", wird der Jurist Mike Donnelly zitiert. In Deutschland werde die soziale Gruppe, zu der sie gehöre, vom Staat unterdrückt, weshalb sie ein Anrecht auf Asyl habe. Für Deutschland, fügt Donnelly hinzu, "ist der Richterspruch eine Peinlichkeit".
Die deutsche Schulpflicht, so urteilte nun der Bundesrichter in Memphis, verstößt gegen fundamentale Menschenrechte. "Wir können nicht erwarten, dass jedes Land unserer Verfassung folgt", sagte Lawrence O. Burman, "dabei wäre die Welt ein besserer Platz, wenn es so wäre." In diesem Fall aber würden grundlegende Rechte verletzt, die kein Land verletzen dürfe. Deutschland sei eine Demokratie, sein Umgang mit Homeschooling, dem Heimunterricht, verstoße jedoch "gegen alles, woran wir als Amerikaner glauben". Die Einwanderungsbehörde in Washington kann noch Berufung gegen den Richterspruch einlegen.
Im konservativen Südstaatenmilieu, aber nicht nur dort, sind Schulverweigerer keine Seltenheit. Meist legen sich strenggläubige Eltern quer, weil ihre Kinder nichts über die Darwinsche Evolutionstheorie oder Methoden der Empfängnisverhütung lernen sollen. Staatliche Pädagogen sprechen von einem alarmierenden Trend.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



