Traumpaar der Konservativen
VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 17.09.2010 - 02:30Mit ihrem Buch gegen Kindes-Missbrauch tritt Stephanie zu Guttenberg endgültig aus dem Schatten ihres Mannes, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Das macht beide zu dem Power-Paar der deutschen Politik.
Das große Problem einer Ministergattin ist, immer nur die Frau des Ministers zu sein. Stephanie zu Guttenberg wollte das in dieser Woche vermeiden: Als sie in Berlin ihr Buch "Schaut nicht weg!" präsentierte, durfte der Name Karl-Theodor nicht fallen. "Frau zu Guttenberg ist hier als Präsidentin des Vereins ,Innocence in Danger'", verkündete der Moderator dem Publikum gleich mehrfach. Die 33-Jährige selbst erteilte Fragen nach ihrem Mann eine Absage – sie sei hier, um Inhalte zu präsentieren, schließlich setze sie sich schon seit Jahren für Missbrauchsopfer ein. Eine gute halbe Stunde später waren ihre Vorsätze passé. Denn Karl-Theodor ließ es sich nicht nehmen, bei der Buchpräsentation seiner Frau persönlich vorbeizuschauen. Ein stolzer Blick, ein Kuss für seine Frau – schon ging es nicht mehr um sie allein, sondern um sie beide: das Glamour-Paar der deutschen Politik.
Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Stephanie, geborene Gräfin von Bismarck-Schönhausen, fallen auf im Politikbetrieb von München bis Berlin. Sie sind jung, gutaussehend – und konservativ: er der stramme Minister, sie die engagierte Mutter mit Herz. Beide betonen familiäre Werte, Leistungsbereitschaft und werden nicht müde, auf ihre Bodenständigkeit hinzuweisen. Gleichzeitig flanieren sie auf den roten Teppichen der Republik, geben sich weltoffen und kulturell interessiert, modebewusst und elegant. Menschen und Medien lieben sie – auch mangels Alternativen.
Präsente Politikerpaare wie die Guttenbergs gibt es in Deutschland derzeit kaum. Angela Merkels Mann Joachim Sauer tritt selten an der Seite seiner mächtigen Frau auf. Der Chemiker konzentriert sich lieber auf die Wissenschaft, statt politische Statements abzugeben. Phillipp Röslers Gattin Wiebke sieht man ab und zu auf Galas, gehört hat man von der 32-Jährigen bisher wenig. Und Bundespräsident Christian Wulff versucht zwar, mit seiner jungen Frau Bettina neuen Glanz nach Bellevue zu bringen – aber solange er sich in seinem neuen Amt nicht zurechtfindet, bleibt es auch für die gelernte Marketingexpertin schwierig, sich als First Lady ein eigenes Profil zu erarbeiten.
Sucht man nach prominenten Powerfrauen an der Seite deutscher Politiker, richtet sich der Blick eher zurück: auf Christina Rau zum Beispiel, Frau des ehemaligen Bundespräsidenten. Auch Loki Schmidt und Hannelore Kohl bekamen viel Aufmerksamkeit für ihr Engagement, die Kanzlergattinnen gründeten Stiftungen. Allen drei Frauen gemein ist, dass sie es – gemeinsam mit ihren Männern – an die Spitze deutscher Politik geschafft haben. Das Aufrücken in die allererste Reihe trauen viele auch Karl-Theodor zu Guttenberg zu. Und seiner Frau sowieso.
Schon jetzt rundet Stephanie zu Guttenberg als sozial engagierter Gegenpart ihres politisch aktiven Mannes das Bild des Vorzeige-Power-Paares ab. Und es ist wahrscheinlich, dass die studierte Betriebswirtin ihre Rolle noch ausbauen wird: Bei der Buchpräsentation jedenfalls mochte sie sich zwar gefreut haben über die Anteilnahme ihres Mannes an einem für sie so wichtigen Ereignis. Etwas anderes, das war dem Gesicht der 33-Jährigen anzusehen, gefiel ihr weniger: Dass, als ihr Mann plötzlich auftauchte und alle Kameras auf sich zog, sie einen Moment lang die Gattin war, und er der Minister.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



