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Todesfall bei "Würgespiel" alarmiert Behörden

zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 - 02:30

Potsdam/Paris (fin) Als die Mutter den 14-Jährigen leblos auf dem Boden seines Kinderzimmers fand, hatte er einen Strick um den Hals, und am Computerbildschirm flimmerte eine Anleitung für ein so genanntes Würgespiel. Ein makabrer Name für ein Spiel mit dem Tod, das der Gymnasiast aus dem Havelland verlor. Er starb, weil er den besonderen Kick suchte – den "Rausch ohne Drogen". Offenbar ein "Spiel", das unter Jugendlichen weit verbreitet ist.

In Frankreich hat der Wahnsinn inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass sich das Gesundheitsministerium einschaltete. Elterninitiativen schlagen Alarm. Mindestens 13 Jugendliche erdrosselten sich allein in diesem Jahr in Frankreich bei einem "Jeu de Foulard". Bei dem "Halstuchspiel", auch "Tomatenspiel" genannt, weil die Betroffenen dabei rot wie eine Tomate anlaufen, strangulieren sie sich selbst oder lassen sich von anderen würgen, bis ihnen die Luft wegbleibt und die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn unterbrochen wird. Meist kommen sie nach einer kurzen Ohnmacht wieder zu sich. Doch erst vergangene Woche starben ein Zehn- und ein 13-Jähriger.

Sogar in Grundschulen seien zuletzt dramatische Fälle bekannt geworden, sagt die Kinderpsychiaterin Marie-France Le Heuzey. "Jüngst hatte ich eine Patientin, die sechs Jahre alt war." Man kannte solche Geschichten bisher von Erwachsenen, die die Grenzen zum Tod austesten wollen. Doch was treibt Kinder dazu? "Sie verspüren einen angenehmen Schwindel, das Gefühl zu schweben", sagt Le Heuzey. "Manche haben sogar Visionen, als hätten sie Drogen genommen." Und wie bei einer Drogenabhängigkeit suchten sie die Erfahrung oft täglich.

Es gibt bisher kaum Studien darüber, doch eine aktuelle Umfrage unter 1013 Franzosen über 15 Jahren ergab, dass 91 Prozent das "Halstuchspiel" zumindest vom Namen her kennen. Vier Prozent gaben an, es auch schon praktiziert zu haben.

Auch in Brandenburg sind die Behörden durch den Todesfall alarmiert. "Es ist nicht davon auszugehen, das dies bei uns der einzige Fall war", sagt Stephan Breiding vom Bildungsministerium Brandenburg. Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) will eine Aufklärungskampagne starten. "Wir werden schnell prüfen, wie wir Eltern und Lehrer informieren können."

Quelle: Rheinische Post

 
 
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