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Düsseldorf: Tiefgang mit Matthias Brandt

VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 23.09.2011 - 02:30

Düsseldorf (RP). Der Sohn des verstorbenen Bundeskanzlers und Friedens-Nobelpreisträgers Willy Brandt ist heute als grimmig undurchsichtiger Ermittler im Münchner "Polizeiruf" zu sehen. Außenseiter, so sagt der 49-Jährige, spiele er gerne.

In einem Tunnel zündet ein Selbstmordattentäter eine Bombe, viele Menschen sterben. Hanns von Meuffel (Matthias Brandt), neuer Kommissar in der Münchner Mordkommission, überlebt das Attentat. Doch schnell wird klar, dass es eine zweite Bombe gibt. Für ihn und seine Kollegin (Anna Maria Sturm) beginnt ein verzweifelter Kampf gegen die Zeit.

Das ist, grob zusammengefasst, die Handlung der neuen Polizeiruf-Folge "Denn sie wissen nicht, was sie tun". Der Jugendschutz-Beauftragten des Bayerischen Rundfunks waren die Tunnelszenen und die andauernde Spannung zu heftig. Sie sorgte dafür, dass die Folge vom Primetime-Platz am Sonntag um 20.15 Uhr in den späten Freitagabend verlegt wurde. Am Ausgehtag Freitag um 22 Uhr werden aber deutlich weniger Menschen vor dem Fernseher sitzen.

Matthias Brandt ärgert das. Für den 49-jährigen Schauspieler sind die Gründe für die Verlegung nicht nachvollziehbar. "Die Entscheidung wird dem Film nicht gerecht, weil es ein ruhiger, konzentrierter Film ist. Die Skandalisierung könnte falsche Erwartungen wecken. Mit der etwas nebulösen Argumentation könnte man jeden zweiten Krimi verschieben", sagt er. Er mag seine Figur, den grimmigen, undurchsichtigen Adeligen Hanns von Meuffels. Er hat ihn als Außenseiter angelegt, als preußischen Exoten im selbstbewussten Bayern. "Er legt Wert auf Zurückhaltung und Geradlinigkeit, jemand, der, wenn man so will, bar bezahlt."

Die Figur passt in die lange Liste vielschichtiger Charaktere, die Brandt bisher gespielt hat. Oft sind es die abseitigen, geheimnisvollen, nie die Strahlemänner im Mittelpunkt. Im preisgekrönten Fernsehfilm "Arnies Welt" verkörpert er einen linkischen Briefträger, der sich erst gegen Ende des Films für die richtige Seite entscheidet. Im Drama "In Sachen Kaminski" gibt er einen geistig zurückgebliebenen Vater, der zusammen mit seiner ebenfalls zurückgebliebenen Frau um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter kämpft. Die erste Rolle brachte ihm einen Grimmepreis, die zweite den Bayerischen Fernsehpreis ein. "Ich mag eben Außenseiter, Leute, die ein bisschen am Rand stehen. Es macht mir Spaß, eine Figur über deren Schwierigkeiten und Komplikationen zu entwickeln. Mir geht es um eine psychologisch präzise Darstellung, eine Beglaubigung der Figuren, keine Ironisierung."

Die Figur, die den Theaterschauspieler berühmt machte, war die des DDR-Spions Günter Guillaume in "Im Schatten der Macht" im Jahr 2003. In seiner ersten großen TV-Rolle verkörperte er jenen Mann, der einer der engsten Mitarbeiter seines Vaters Willy Brandt war und dessen Enttarnung zu Brandts Rücktritt als Bundeskanzler führte. Dass er die Rolle bekam, war Zufall, sagt Brandt. "Ich hatte einfach Kontakt zum Regisseur. Dennoch war klar, dass das Aufmerksamkeit nach sich zieht, weil es eine skurrile Konstellation ist. Für mich lag da viel Humor drin, leider wurde das nicht so registriert."

Brandt ist seither das Kunststück gelungen, in erster Linie als hochbegabter Charakterdarsteller und erst in zweiter Linie als Sohn seines berühmten Vaters wahrgenommen zu werden. "Sohn zu sein ist kein Beruf, keine Beschäftigung, die den Tag ausfüllt. Ich möchte meine Biographie nicht missen, beschäftige mich aber offenbar viel weniger damit als andere."

Seine Rolle im Polizeiruf wird seine öffentliche Wahrnehmung als düsterer Querkopf mit genial-skurriler Aura festigen. "Tiefgang-Etikett" nennt er das etwas spöttisch, der Weg in eine Komödie werde dadurch schwierig. Angst davor, auf ewig in der Kommissar-Schublade zu verschwinden, hat er nicht. Schließlich sei er schon vor dieser Rolle bekannt gewesen. Und ob man immer nur die gleiche Figur angeboten bekomme, hänge sehr von einem selbst ab.

Heute Abend wird er wieder den Mann spielen, der Mörder auf seine ganz eigene, ruhige Art jagt. Die Kritiker lagen ihm nach seinem ersten Polizeiruf zu Füßen, und auch die Quoten waren gut, rund acht Millionen sahen zu. Der ungewollte Ausflug in den Freitagabend wird ihn Zuschauer kosten. Sein Renommee aber wird weiter steigen.

Quelle: RP


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