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Münster: Schlager-Professor Alsmann

VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30

Münster (RP). Dass Besucher sich um Eintrittskarten drängeln und nicht einmal für die eigenen 250 Studierenden Platz ist, erlebt die Musikhochschule der Uni Münster eher selten. Bei seiner Antrittsvorlesung über "Die ersten hundert Jahre des deutschen Unterhaltungsliedes" lieferte Götz Alsmann in seiner Heimatstadt vor 400 Zuhörern – überwiegend ältere Semester – in der Aula des Münsteraner Schlosses erstklassiges Edutainment ab.

Alsmann interessiert sich vor allem für den Teil der Lied-Geschichte, in der Musik-Unterhalter anfingen so auszusehen wie er: Immer aus dem Ei gepellt in besten Anzügen, nie ohne Einstecktuch, gern mit Ukulele. Er habe sich zwar vorher überlegt, wie viele Fremdworte er in seinen Vortrag packen solle, sich aber dann doch für eine "halbkonzertante Variante" entschieden. "Der Schlager ist die einzige Kunstform der Welt, die immer nur an ihren schlechtesten Hervorbringungen gemessen wird", so Alsmann. Er wolle seine Professur nutzen, um eine Welt des Schlagers "jenseits des Gummiboots und der zehn nackten Friseusen" zu zeigen. In seinen Konzerten erlebe er heute wieder ein Publikum, das sich bewusst "gegen den Format-Stalinismus des Radios und das Dschungelcamp" entschieden habe. Das stimme hoffnungsfroh.

Alsmann jodelte und sang sich durch den Abend, wozu er sich selbst auf der Ukulele und einem "Heimweh-Kompressor" (Akkordeon) begleitete. Anders als später, so der Multi-Instrumentalist, hätten vom Ende der 20er bis zum Ende der 50er Jahre Musiker die Welt des Schlagers bestimmt. Dann sei mit dem Publikum und den Interpreten etwas passiert, dass in den Rhythmus der ZDF-Hitparade mündete. "Das macht natürlich keinen Spaß, aber vorher war Schlager nicht peinlich", so der 54-Jährige.

Die Uni Münster, an der Alsmann 1985 über US-Schallplattenfirmen promovierte, trug dem Entertainer die Honorarprofessur im Sommer 2011 an und suchte im vollen Terminkalender Alsmanns lange nach einem Termin für die Antrittsvorlesung. Alsmann ist der erste Honorarprofessor der Musikhochschule.

Quelle: RP


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