Schau über Waigels Augenbraue
VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 29.09.2010 - 02:30Sie sind einmalig, originell und aus der Nähe betrachtet auch ein bisschen fies: Theo Waigels Augenbrauen. Seit Jahren sind sie das buschige Markenzeichen des ehemaligen CSU-Politikers. Und genauso lange hatten Karikaturisten Spaß daran, den Mann mit den markanten Brauen zu veräppeln.
Eine Ausstellung mit den besten Karikaturen ist nun im Bundesfinanzministerium in Berlin zu sehen, an Theo Waigels ehemaligemArbeitsplatz. 30 Jahre lang war der heute 71-Jährige Bundestagsabgeordneter, davon neun Jahre Bundesfinanzminister.
Heute blickt Waigel gern zurück, auf "tolle Zeiten" im Finanzministerium. Trotz der steten Kritik der Karikaturisten, die ihn meist als geldgierigen Minister darstellten, den selbst Obdachlose fürchten. "Schnell, versteck die Buddel", rufen die in einer Zeichnung, bei der Waigel um eine Ecke biegt.
Der Job mache eben unbeliebt, sagt Waigel heute. Seinem Amtsnachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) kann er zumindest augenzwinkernd Mut machen: "Kaum ist man zwölf Jahre nicht mehr im Amt, wird man von den Leuten auch wieder gegrüßt", erzählt er seinem Gastgeber bei der Ausstellungseröffnung in Berlin.
Dass Waigel nicht nur wegen seinem Markenzeichen, den buschigen Augenbrauen, oft und gerne von Karikaturisten gezeichnet wurde, illustrieren die 150 Bilder der Ausstellung. Sie zeigen den politischen Werdegang des 71-Jährigen, der im vergangenen Jahr zum Ehrenvorsitzenden der CSU ernannt worden ist. Etwa die Diskussion um die Wahlerfolge der Republikaner in Deutschland 1989, der die CSU unter Waigel mit einem deutlichen Rechtsruck entgegentrat. In der Karikatur wünscht sich Waigel prompt die gleiche Flöte wie die des "Rattenfängers" Franz Schönhuber, Chef der Republikanischen Partei. Oder er steht neben Helmut Kohl vor einer riesigen Spinne. "Saugen wir sie auf oder fegen wir sie weg", fragen sich beide Politiker hilflos.
Hauptsächlich richtete sich die Kritik der Karikaturisten aber gegen Waigels Politik als Finanzminister: Sie bemängeln Steuererhöhungen, Staatsschulden und den aus ihrer Sicht falschen Umgang mit der EU-Erweiterung. Als "elder statesman" kann Waigel heute darüber schmunzeln. "Zumal sich später oft gezeigt hat, dass ich richtig gelegen habe", meint der 71-Jährige.
Dem heutigen Finanzminister Schäuble rät Waigel, auf politische Berater zu setzen. "Ich hatte damals Roland Koch und Christian Wulff" witzelt Waigel. Die beiden CDU-Politiker stünden aber nicht mehr zur Verfügung: "Der eine will nichts mehr sagen, der andere darf nichts mehr sagen."
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