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Düsseldorf: Rekordkälte legt Europa lahm

VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 - 02:30

Düsseldorf (RP). Insgesamt 280 Menschen sind seit Beginn der Kältewelle in Europa gestorben. Mit minus 28 Grad war Oberstdorf der kälteste deutsche Ort. In Rom gingen die stärksten Schneefälle seit 26 Jahren nieder. Erst ab Freitag sollen die Temperaturen allmählich wieder steigen.

Die Kälte will einfach nicht weichen. Mit minus 28 Grad in Oberstdorf verzeichneten die Meteorologen in der Nacht zu gestern die bisherige Tiefsttemperatur für Deutschland in diesem Winter. Vier Menschen fielen den extremen Bedingungen hierzulande bisher zum Opfer. Gestern wurde die Suche nach einem 43-jährigen Niederländer, der am Freitag bei Nettetal in einen See eingebrochen war, ergebnislos eingestellt. Die Polizei will nun warten, bis das Eis auf dem See abgetaut ist. Beim König-Ludwig-Skilanglauf in Oberammergau starb ein 74-jähriger Schwede bei minus 21 Grad an Herzversagen. Insgesamt sind in Europa bislang 280 Menschen in Kälte, Eis und Schnee gestorben. Ein Ende des Dauerfrosts ist frühestens ab Mittwoch zu erwarten. Dafür soll es aber stürmischer werden und teils kräftig schneien.

Vor allem Osteuropa leidet unter der anhaltenden Kälte. In der Ukraine erfroren am Wochenende wieder 30 Menschen bei Rekordtemperaturen von minus 30 Grad Celsius; die Zahl der Kältetoten erhöhte sich damit auf 131, zumeist Obdachlose. Mehr als 1800 Menschen werden in der früheren Sowjetrepublik wegen Unterkühlung in den Krankenhäusern behandelt. In Rumänien kamen zehn Menschen ums Leben und damit seit Ausbruch der Kältewelle insgesamt 34. In Polen starben laut Regierung am Wochenende 15 Bürger im Frost. Dort erlitten bislang insgesamt 53 Menschen den Kältetod. Hinzu kommen mindestens sechs Todesfälle wegen Kohlenmonoxidvergiftungen in Wohnungen mit defekten Kohleöfen. Im Baltikum kostete der Frost bis Samstag weiteren drei Menschen das Leben.

Angesichts einer bis zu zwei Meter hohen Schneedecke galt in Serbien am Samstag in fast 30 Gemeinden der Ausnahmezustand. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollen diese Woche geschlossen bleiben. Die Regierung in Belgrad rief die Bürger zur Hilfe beim Schneeräumen auf. Lawinen schlossen etwa 90 Menschen in einem Straßentunnel in Montenegro 24 Stunden lang ein. Im kroatischen Dalmatien wurde der Notstand ausgerufen.

In Mittel- und Süditalien herrschte Winterchaos. Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. Bis zu 120 000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen oder Autos stecken. In Rom gingen die stärksten Schneefälle seit 26 Jahren nieder. Selbst das Kolosseum wurde geschlossen. Einige Bäume knickten unter der Last von teilweise bis zu 20 Zentimeter Schnee ein und beschädigten geparkte Autos. In Großbritannien reichten rund zehn Zentimeter Schnee aus, um ein Verkehrschaos auszulösen. Europas größter Flughafen London-Heathrow strich gestern rund 380 Flüge und damit ein Drittel aller Starts und Landungen.

Auch in Deutschland behindert die Kälte den Verkehr. Aufgrund starker Eisbildung wurde die Elbe ab Magdeburg in Richtung Norden gestern komplett gesperrt. Es hätten sich starke Eisschollen gebildet, die sich ab dem Industriehafen verdichteten, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Auch der Elbe-Havel-Kanal mit Verbindungskanälen sei für die Schifffahrt nicht mehr passierbar. Nur im Mittellandkanal seien noch Eisbrecher unterwegs. Auf der Unterelbe bei Wedel nahe Hamburg blieb ein 41-Jähriger am Samstag mit seinem Kajak im Eis stecken. Er konnte gerettet werden.

Frieren mussten in Bad Wünnenberg bei Paderborn hunderte Menschen selbst in geschlossenen Räumen. Dort waren die Heizungen für 900 Haushalte über Nacht ausgefallen. Am Samstag war der Schaden behoben. In den nächsten Tagen ändert sich an den Temperaturen wenig. Dafür sorgt eine Hochdruckbrücke zwischen dem russischen Kältehoch "Dieter" im Osten und dem Azorenhoch über dem Atlantik. Sie lässt die Temperaturen voraussichtlich weiter sinken, bevor diese von Mittwoch an deutlich nach oben gehen. Ein Italientief zieht heran, das warme Luft nach Deutschland bringt. Die Temperaturen machen einen Sprung um bis zu zehn Grad. Am Niederrhein können sogar einstellige Pluswerte erreicht werden. Mit dem Temperaturanstieg beginnt es vor allem im Südosten kräftig zu schneien.

Internet Zehn Tipps gegen Kälte unter www.rp-online.de/gesundheit

Quelle: RP


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