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Mit Traktor zum Schnellimbiss

VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 10.07.2010 - 02:30

Der eine fährt mit dem Dreirad zum McDrive, ein anderer beschießt sein Handy mit scharfer Munition. Lustige Online-Videos werden millionenfach angeschaut – das hat auch die Werbeindustrie erkannt.

In Witten hat sich am Donnerstag ein Mann als Affe verkleidet und ist zum Schnellimbiss seines Vertrauens gefahren. Eine Wette habe er einlösen wollen, erzählte der 21-Jährige später. Dabei kam ihm allerdings etwas dazwischen: Gäste des Restaurants hatten ihn für einen echten Affen gehalten – und die Polizei alarmiert.

Dem Vernehmen nach hat der Jugendliche seinen Witzbesuch filmen lassen: für ein bisschen Ruhm auf der Video-Plattform "YouTube". Über 700 000 Mal wurde dort ein Video angeklickt, das einen Mann zeigt, wie er mit Horror-Maske durch den McDrive fährt – auf einem Dreirad. Sowieso ist der Autoschalter Treffpunkt für Humoristen: Ob Trecker, Bobbycar oder Einkaufswagen – mit allem, was Räder hat, geht es durch den Drive-In. 100 000 Klicks verzeichnet das Video von zwei Jungen, die auf Büro-stühlen zum Burgerbrater unterwegs sind: Der "Fahrer" hält ein Plastik-Lenkrad in der Hand, der Freund neben ihm zwei Taschenlampen als Scheinwerfer. "Ihr seid der Gag des Tages", begrüßt sie ein Mitarbeiter, im Hintergrund giggeln die jugendlichen Kameraleute.

Bei McDonalds sieht man solche Späße gelassen: "Für uns ist es ein Zeichen dafür, wie sehr unsere Marke in der Bevölkerung verankert ist", sagt Pressesprecher Martin Nowicki. Es sei so lange witzig, wie es im vernünftigen Rahmen bleibe. Sprich: Solange die Marke McDonalds keinen Schaden nimmt. Denn die PR-Profis der großen Konzerne achten sehr genau darauf, welches Image sie in den Internetfilmen zugesprochen bekommen. Ein paar Jugendliche, die auf dem Trecker zum Drive-In fahren, sind da keine große Gefahr.

Schlechter sieht es beispielsweise für das Unternehmen Apple aus: In den USA ist es gerade Mode, für YouTube-Filme iPhones und iPads zu zerstören. Die Geräte werden mit Baseballschlägern traktiert, in Wasser getaucht oder gar verbrannt. Die amerikanischste aller Varianten: Das Handy wird mit dem Gewehr beschossen. Kommentieren will der Konzern das nicht: "Wir geben keine Einblicke darüber, wie wir Trends beurteilen", sagt Apple-Sprecher Georg Albrecht.

Besser nichts sagen als zu viel – das hat Apple in den USA gelernt: Als die US-Talkmasterin Ellen DeGeneres in ihrer Show einen parodistischen Werbespot für das iPhone veröffentlichte, forderte das Unternehmen eine Entschuldigung. Die bekam Apple auch – und dazu Huntertausende Klicks auf diversen Internetplattformen, wo das umstrittene Video schnell in Umlauf kam – inklusive vieler hämischer Kommentare.

"Negatives Echo verbreitet sich im Internet rasant", sagt Dominik Thesing, Geschäftsführer der Werbeagentur Scholz & Friends. "Aber immer mehr Unternehmen erkennen die Chancen der Online-Videos." Das Geschäft damit nennt sich "Virales Marketing". Ganze Kampagnen laufen bereits nur über das Internet, das Besondere dabei: Auf den ersten Blick ist meist nicht zu erkennen, wer hinter den witzigen Videos steckt. Erst ein Link oder ein interessanter Hinweis im Video führt zur eigentlichen Internetseite des Produkts. Oder die Videos sind in soziale Netzwerke wie Facebook eingebunden – was die Reichweite der Spots erneut steigert. Messbar sind die Erfolge solcher Kampagnen nur durch Klickzahlen. Und nicht immer bleibt die beworbene Marke auch im Gedächtnis. Denn das Internet ist beliebig: Die Nutzer klicken sich durch die Videos – ob Mann im Affenkostüm oder Werbespot. Schlägt der Witz nicht ein, wird schnellstens weiter geklickt.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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