Hundedrama mit Happy End
VON DIETER DORMANN - zuletzt aktualisiert: 28.04.2010 - 02:30Drei Tage hatte die Polizei versucht, eine Schnauzer-Hündin einzufangen, die nach einem Unfall ihres Besitzers auf der A 7 aus dem Auto-Wrack geflüchtet war. Gestern fand der 78-jährige Besitzer sein Tier zufällig wieder.
Sillium Der Kummer um seinen Hund ließ Helmut Weyand aus Lampertsheim in den vergangenen drei Tagen fast verzweifeln. Den schweren Autounfall, den der 78-Jährige am vergangenen Samstag auf der Autobahn 7 in der Nähe des Parkplatzes "Sillium" im Kreis Hildesheim gehabt hatte, hatten er und seine 75-jährige Frau glücklicherweise überlebt. Ihr eineinhalbjähriger, mit im Auto sitzender Schnauzer "Roma" aber war, während seine Besitzer mit Krankenwagen in das Hildesheimer Klinikum transportiert wurden, nach dem Crash panisch von der Unfallstelle in ein nahes Waldstück geflüchtet.
Zwar wurde der junge Hund in den vergangenen Tagen immer wieder in der Nähe des Unfallortes auf der A 7 gesehen. Groß war jedoch die Gefahr für das Tier, auf der Autobahn überfahren zu werden. Immer wieder war im Verkehrsfunk die Warnung zu hören: "Vorsicht auf der A 7 – dort ist ein Hund auf der Fahrbahn gesehen worden." Dreimal sperrte die Polizei allein am Samstag, dem Tag des Unfalls, die Autobahn in Richtung Kassel, weil die Schnauzer-Hündin an der Unfallstelle aufgetaucht war. Auch am Sonntag und Montag rückten die Beamten mehrfach aus, stoppten den Verkehr auf der A 7 um "Roma", die offenbar am Unfallort noch immer nach seinem Herrchen und Frauchen suchte, einzufangen. "Roma saß am Rand- oder auf dem Mittelstreifen. Doch wenn wir vorsichtig auf zehn, 15 Meter an sie herangekommen waren, lief sie wieder davon", berichtet Polizeioberkommissar Bernward Klauenberg von der Autobahnpolizei.
Gestern meldeten sich bei der Polizei mehrere Anwohner aus dem Dorf Sillium, das nur einen Kilometer von der Stelle an der A 7 entfernt ist, an der Helmut Weyand am Samstag verunglückt war. Sie hatten "Roma" an unterschiedlichen Stellen in der Ortschaft entdeckt. Zwei Streifenwagen machten sich auf die Suche. Mehrfach hatten die Beamten "Sichtkontakt" zu der Hündin. "Als der Hund in einem Vorgarten stand, waren wir ganz nah dran – aber dann lief er wieder weg", berichtet Rüdiger Stolze von der Polizeistation Holle. Alle Leckerchen und alles gute Zureden waren erfolglos gewesen.
Zur selben Zeit war Helmut Weyand in Sillium auf der Suche nach "Roma". Der Kummer des 78-Jährigen hatte eine Krankenschwester des Klinikums in Hildesheim und deren Mann so sehr gerührt, dass dieser mit dem Hundebesitzer nach Sllium gefahren war, um dort nach der Hündin zu suchen.
Mittags kam es dann zum überraschenden Happy End. Zufällig suchten die Polizeibeamten und der Hundebesitzer in derselben Straße nach dem Schnauzer – und zufällig dort stand "Roma". Ein Ruf, ein Pfiff von seinem Herrchen – das Hunde-Drama war beendet. Überglücklich nahm der 78-Jährige sein Tier auf den Arm. "Der Hundebesitzer strahlte vor Glück und ein paar Freudentränen sind auch geflossen" , berichtete Polizeioberkommissar Rüdiger Stolze. "Roma" habe einen eher erschöpften Eindruck gemacht, meinte der Beamte. "Kein Wunder, nach dreitägiger Suche nach seinem Herrchen."
Ins Krankenhaus konnte Helmut Weyand seine Schnauzer-Hündin, die er seit dem Welpenalter besitzt, zwar noch nicht mitnehmen. "Ein Freund passt noch eine Nacht auf sie auf", sagte der Hundebesitzer erleichtert. "Aber morgen werden meine Frau und ich aus dem Klinikum entlassen. Dann holen wir Roma wieder zu uns nach Hause."
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