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"Das Öl zerstört unser Leben"

zuletzt aktualisiert: 01.05.2010 - 02:30

Nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" hat der Ölteppich nun das Mississippi-Delta erreicht. Fischer an der Küste von Louisiana fürchten um ihre Existenzgrundlage. Der Gouverneur hat den Notstand verhängt.

Venice (afp) Ein Pelikan segelt über das Wasser im Hafen von Venice. Krabbenkutter tuckern in Richtung offene See, Fischer sortieren ihren Fang. Das Idyll hier im Mündungsbereich des Mississippi-Deltas trügt, der Fischer Ernest Adams ahnt Schlimmes. "Alle werden ihre Arbeit verlieren", murmelt er, während er auf dem Pier frische Fische ausnimmt. "Alle." Erst vor fünf Jahren verwüstete der Hurrikan "Katrina" die Küstenregion im US-Bundesstaat Louisiana. Nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon", bei dem elf Menschen starben, bedroht nun ein riesiger Ölteppich im Golf von Mexiko die Erwerbsgrundlage der Fischer.

Die ersten Ausläufer der Ölpest erreichten jetzt die Küste. Am schwersten lastet die Hilflosigkeit angesichts der herannahenden Katastrophe auf den Fischern von Venice. "Wir warten einfach darauf, dass das Öl kommt und die Grundlage unseres Lebens zerstört", sagt Brent Roy, der Kapitän eines Charter-Boots. "Es gibt nichts, was wir tun können. Es ist so, als ob wir auf einen Hurrikan warten würden."

Roys Kapitänskollege Allen Welch widerspricht: Die Ölpest sei für die Fischer sogar noch schlimmer als die gefürchteten Monsterstürme. "Nach einem Hurrikan läuft wenigstens das Fischen richtig gut", sagt Welch. Denn in den aufgewühlten Fluten gingen die Fische besonders leicht ins Netz. "Diesmal sieht es aber gar nicht gut aus", sagt Welch. Kollege Roy stimmt zu: "Die Ölpest ist wirklich das schlimmste Szenario für die Fischer, die Krabbenfänger und Austernzüchter."

Die Ölpest trifft die ökologisch empfindliche Delta-Küste ausgerechnet in der Laichzeit von Fischen und Brutzeit von Wasservögeln. Am Mittwoch gaben die Behörden vorzeitig die Genehmigung zum Krabbenfang und zur Austernernte, damit die Fischer in einem Wettlauf gegen die Zeit noch einiges an Fang einfahren können, ehe der giftige Ölschlick alles vernichtet. Die Fischereiwirtschaft setzt in Louisiana rund 2,4 Milliarden Dollar im Jahr um. Hier im Mississippi-Delta ist sie das Rückgrat der Wirtschaft. Die Gegend zählt traditionell zu den ärmsten in den USA.

Der Ölkonzern BP, der die in der vergangenen Woche gesunkene Bohrinsel betrieb, hat eingeräumt, dass täglich 800 000 Liter aus dem Bohrloch ins Meer fließen. Heimatschutzministerin Janet Napolitano betonte, dass BP die Kosten für die Rettungsaktion tragen müsse. Zugleich unterstrich US-Präsident Barack Obama, dass "die Regierung auch weiter alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, wenn es sein muss, auch die des Verteidigungsministeriums".

Das Weiße Haus bemühte sich, jeglichen Vergleich mit der schleppenden Reaktion auf die Hurrikan-Katastrophe 2005 abzuwenden. "Wenn so etwas passiert, fängt sofort die politische Spekulation an", sagte Obamas Berater David Axelrod. Die Bundesbehörden seien "von Anfang an" an den Rettungsmaßnahmen beteiligt gewesen. Washington hat die Lage zur "nationalen Katastrophe" erklärt, Louisianas Gouverneur Bobby Jindal verhängte den Notstand – so können mehr Ressourcen mobilisiert werden. Jindal bemühte sich zudem um die Mobilisierung von 6000 Nationalgardisten.

Die Bemühungen, den Ölstrom einzudämmen, erwiesen sich auch mehr als eine Woche nach dem Unglück als fruchtlos. BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, das Leck in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen – doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen. Der Ölkonzern teilte außerdem mit, eine neue Technik solle ausprobiert werden, bei der Öl auflösende Substanzen mit Rohren in die Nähe des Lecks gepumpt werden könnten. So soll das Aufsteigen des Öls an die Oberfläche verhindert werden. Beobachter erinnern erneut an das Unglück der "Exxon Valdez" 1989. Damals waren fast 40 000 Tonnen Öl ausgelaufen und hatten vor Alaska ein Umweltdesaster ausgelöst.

Internet Bilder und Videos unter www.rp-online.de/panorama

Quelle: Rheinische Post

 
 
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