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China: Welle reißt Zuschauer mit

zuletzt aktualisiert: 03.09.2011 - 02:30

Haining/China (art) Südlich von Shanghai, wo der Fluss Qiantang ins Meer mündet, sind 20 Menschen teilweise schwer verletzt worden, als sie von einer neun Meter hohen Gezeitenwelle erfasst wurden. Die Welle erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Stundenkilometern und brach über den 60 Meter langen Wall hinweg, hinter den sich die Zuschauer gestellt hatten. Hunderte von Schaulustigen waren zusammengekommen, um das Spektakel zu beobachten, das jedes Jahr in dem Fluss entsteht: "Silberner Drache" wird die Gezeitenwelle auch genannt.

Von einer solchen Welle spricht man, wenn das Wasser von der Mündung flussaufwärts fließt. Dazu müssen mehrere Faktoren zusammentreffen. Erstens muss der Ort nah genug an der Flussmündung liegen, sonst sieht man die Welle nicht mehr. Zweitens muss der Tidenhub, also der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut im Ozean, besonders hoch sein. Drittens muss der Mond in einer bestimmten Weise zur Sonne stehen und die natürlichen Gezeiten verstärken. Dann drückt sich das Wasser in den Flusslauf, und die Welle bewegt sich vom Meer in Richtung Quelle.

Die extreme Form der Gezeitenwelle ist die sogenannte Bore. Sie tritt nur an sehr wenigen Orten auf der Welt auf, zum Beispiel in Südamerika im Amazonas, in Deutschland in der Ems oder eben in China im Qiantang. Bei einer Bore kann die Welle höher werden – und auch brechen. Während in der Ems eine Gezeitenwelle nach jedem Niedrigwasser beobachtet werden kann, ist es in China nur einmal im Jahr möglich. Regelmäßig treffen sich dann im Herbst in der Stadt Haining hunderte Touristen, um das Naturschauspiel zu verfolgen.

In diesem Jahr wurde die Bore von dem Tropensturm Nanmadol verstärkt. Nachdem er über die Philippinen und Taiwan hinweggefegt war, erreichte er vor drei Tagen das chinesische Festland. Er wurde von den Behörden zwar zu einem Tropentief heruntergestuft, als er im Süden Chinas ankam. Dennoch reichte seine Kraft, um die Gezeitenwelle zu stärken. Das chinesische Wetteramt teilte nach dem Unglück in Haining mit, dass die Welle die höchste seit neun Jahren gewesen sei. Polizisten vor Ort hatten die Besucher offenbar noch davor gewarnt, zu nah ans Wasser zu treten, weil sie die Gefahr kannten.

Quelle: RP


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