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Belgien: Fotos von Dutroux-Opfern bei Bischöfen

VON ANJA INGENRIETH - zuletzt aktualisiert: 07.07.2010 - 02:30

Er war beliebt, galt als Repräsentant einer modernen Kirche: Jetzt holt den belgischen Kardinal Godfried Danneels (77) die Vergangenheit ein. Der ehemalige Erzbischof von Mechelen-Brüssel steht im Verdacht, Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche vertuscht zu haben.

Beamte fanden zudem bei einer Razzia am Sitz des Erzbistums vertrauliche Berichte der Staatsanwaltschaft über Kinderschänder Marc Dutroux. Zu den beschlagnahmten Dokumenten gehören auch Fotos der achtjährigen Dutroux-Opfer Julie und Melissa – unter anderem von der Leichenschau.

Der Fall des 2004 zu lebenslanger Haft verurteilten Kinderschänders Dutroux traumatisiert Belgien bis heute – auch wegen der Justiz-Pannen während der Aufklärung.

Viele Belgier sahen darin Belege für ein mächtiges Netzwerk von Kinderschändern hinter Dutroux. Die jetzigen Kirchen-Funde dürften Spekulationen neu befeuern.

Ausgerechnet Kirchenmann Danneels hatte die Justiz damals scharf kritisiert und eventuelle "Beschützer" von Pädophilen vermutet. Nun steht er selbst im Zwielicht.

Im April musste der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes zurücktreten. Der 74-Jährige hatte eingeräumt, sich vor rund 25 Jahren wiederholt an einem Jungen vergangen zu haben. Ein Zeuge behauptet, Danneels frühzeitig von den Übergriffen Vangheluwes in Kenntnis gesetzt zu haben. Doch dieser habe nichts unternommen. Danneels bestreitet das. Bei der jüngsten Razzia fanden sich jedoch Briefe, in denen von verbrannten Geheim-Dossiers über Pädophilie-Fälle in geistlichen Kreisen die Rede ist. Die Fahnder bohrten auch die Sarkophage von zwei Kardinälen in der Krypta der Sint-Rombouts-Kathedrale auf, um darin mit Kameras nach belastendem Material über Kindesmissbrauchsfälle zu suchen. Ohne Erfolg. Jetzt überprüft die Generalstaatsanwaltschaft die Rechtmäßigkeit der Aktion.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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