75 – und noch lange nicht Schluss
VON TINA STOCKHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009 - 02:30Morgen feiert Udo Jürgens seinen 75. Geburtstag. Der große Entertainer steckt mitten in den Vorbereitungen für seine nächste Tournee. "Einfach ich – Live 2009" ist seine 23. Tour. Ans Aufhören denkt der Musiker nicht.
Zürich. Am Ende kommt immer der Bademantel. Wenn die "Zugabe"-Rufe nicht abschwellen, dann kehrt Udo Jürgens in weißen Frottee gehüllt auf die Bühne zurück. Verschwitzt, aber trotzdem ganz der Gentleman. Er setzt sich ans Piano, haut mit Wucht in die Tasten und lässt sich feiern. Das war schon immer so, und das bleibt auch so.
Morgen feiert der große österreichische Entertainer seinen 75. Geburtstag – Mitte Oktober steht er wieder auf der Bühne: "Einfach ich – Live 2009" heißt die neue Tour. Bis Mitte Dezember sind Konzerte in 32 Städten geplant, unter anderem am 13. November in Düsseldorf.
Es ist seine 23. Tour. Udo Jürgens, der eigentlich Udo Jürgen Bökelmann heißt, stand sein halbes Leben auf der Bühne, hat rund 100 Millionen Tonträger verkauft, 50 Alben veröffentlicht, mehr als 900 Lieder komponiert. Kaum ein Schlagersänger wurde derart mit Preisen überschüttet wie er, sein Bekanntheitsgrad lag selbst in seinen weniger erfolgreichen 80er und 90er Jahren noch bei 95 Prozent – teilweise höher als der des Bundeskanzlers.
Jürgens wollte immer singen. Schon als 16-Jähriger komponierte der Enkel eines deutschen Bankdirektors im elterlichen Schloss Ottmanach bei Kärnten erste Lieder und gewann damit bei einem Wettbewerb des Österreichischen Rundfunks als jüngster Teilnehmer den ersten Preis. Zum Durchbruch verhalf ihm in den 60ern der Grand Prix Eurovision de la Chanson. Mit "Warum nur, warum" erreichte er 1964 den fünften Platz, 1966 gewann er mit "Merci Chérie". Seitdem zählt Jürgens zu den größten deutschsprachigen Schlagerstars.
Dabei waren es oft gar keine lupenreinen Schlager, die er komponierte. Nicht selten mischte er den Texten ein wenig Gesellschaftsanalyse bei wie bei "Ein ehrenwertes Haus" oder "Griechischer Wein". Es sind Lieder mit viel Pathos und viel Gefühl, genau richtig für die späten Stunden bei zünftigen Festen in Bierzelten, wenn die Luft rauchgeschwängert, die Stimmung wein- und bierselig ist. Dann reichen die ersten Takte, damit das Publikum stehend mitgrölt. "Ich war noch niemals in New York." Die ersten drei Zeilen können sie alle.
Die Jahrzehnte haben ihn kaum verändert, Jürgens sieht heute noch aus wie in den 70ern. Schlank und gut gekleidet, der charmante Entertainer, der Frauenschwarm, der Lebemann. Nur wenige Falten durchziehen sein Gesicht, die Haare sind etwas dünner und kürzer, aber immer noch braun. Er ist sich und seinem Image treu geblieben: Udo Jürgens ist der Beau auf der Bühne, am gläsernen Flügel ist sein Platz, wo er "Aber bitte mit Sahne!" singt.
Die Ehe passte nicht zu diesem unsteten Leben. Zweimal hat er's versucht, beide Male scheiterte er. Er könne nicht treu sein, stellte er öfter nüchtern fest. Er ist rastlos, ein Getriebener. Solange er die Kraft habe, wolle er auftreten. Aber ausruhen, in Pantoffeln und Bademantel, das passt nicht zu ihm. Bademantel trägt er nur auf der Bühne.
Internet Udo Jürgens Leben in Bildern unter www.rp-online.de/kultur
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.



