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Düsseldorf: Tschüss und Auf Wiedersehen

VON REINHOLD MICHELS - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 02:30

Düsseldorf (RP). Doktor Schütz war am Gymnasium Dülken ein Pauker vom alten Schlag – und Lateinlehrer obendrein, manchmal zum Fürchten und stets ein Mann, der von Schülern Respekt forderte, im Unterricht und auch auf dem Weg dorthin. Diesem Doktor Schütz war einst in den Sechzigern ein Schüler unangenehm aufgefallen, der ihn im Bus mehrfach nicht gegrüßt hatte. Der Oberstudienrat verlangte den Vater des Pennälers zu sprechen. Beide Herren waren sich einig, dass es sich gehöre, seinen Lehrer zu grüßen und dass ein Bengel, der das versäumt, eine Strafarbeit verdient habe. So geschah es.

Unter einem ordentlichen Gruß verstand nicht nur Doktor Schütz "Guten Morgen", "Guten Tag" und beim Abschied zwar kein leises Servus, aber unbedingt ein "Auf Wiedersehen". Der heute übliche Allerweltsgruß "Hallo", gar das früher unbekannte, irgendwie an Kaugummi-Kauen erinnernde "Hi" hätte Doktor Schütz niemals durchgehen lassen.

Tempora mutantur . . . Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns bekanntlich in ihnen. Heute, so meinte mit einem Anflug von Resignation der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbandes auf das aktuelle "Hallo"-und-"Tschüss"-Verbot an einer Passauer Schule (wir berichteten), sei doch schon viel gewonnen, wenn ein Schüler überhaupt grüße. Der Philologe vermisst nicht nur an Schulen eine Höflichkeitskultur. Macht sie nicht doch, seien wir ehrlich, das Leben miteinander angenehmer?

Nun gibt es bekanntlich Kantinengänger, die "Mahlzeit" knurren und sodann das Kauen und Schlingen beginnen. Auch lieben es Fans der "Hi"-, "Hallo"- (gerne auch endbetont mit vier o) und "Tschüss"-Gemeinde, zunehmend unterschiedslos so salopp zu grüßen: den Lehrer, den Ausbilder, den Chef, den deutlich Älteren.

Nutzen Verbote wie jenes in Passau? Heißt das nicht, päpstlicher als der Papst zu sein? Nun, beim Papst wäre ein "Grüß Gott" beziehungsweise "Adieu" angebrachter als ein frisch-forsches "Tach auch, Heiligkeit" oder "Tschüssi, Heiliger Vater." Und wer sich als junger Mensch etwa nach einem Vorstellungsgespräch mit einem "Tschüss" zur Tür dreht, ist entweder im D-Zug-Tempo durch die Kinderstube gerast oder sehr unklug, womöglich beides. Es gilt auch hier, dass am besten Hänschen lernen sollte, was Hans sich nur noch schwer abgewöhnen mag.

Ein Tschüss oder Hallo unter Freunden, allgemein unter Leuten, die sich jeden Tag über den Weg laufen, ein "Hi" unter maulfaulen Minderjährigen oder Sportfexen – warum denn nicht. Nichts gegen ein alpenländisches "Servus", ein badisches "Ade" oder ein rheinisches "Tschö", die wattierte Form des zischenden "Tschüss". Aber man sollte wissen, wo und mit wem man so redet. Auch auf die Echtheit kommt es an: Ein "Moin, moin", gar ein affektiertes "Tschüüüss" klingt in Ruhpolding blöde, in Blankenese passt's. Ein "Grüß Gott" in Wanne-Eickel hört sich so komisch an wie ein "Ade-le" im Hofbräuhaus, ein gehauchtes Ciao in der Wurstbude. Klaus-Jürgen Haller, ein enger Freund des Deutschen, hätte nie seine WDR-Hörer mit "Hallo zusammen" begrüßt und mit "Tschüss" oder "Tschüsskes" verabschiedet. Haller sagte "Guten Tag" und "Auf Wiederhören". Er liebte seine Muttersprache und grüßte respektvoll seine unbekannten Hörer. Leider etwas aus der Mode.

Quelle: RP


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