Terrorist Carlos im Kino
VON PETER BEDDIES - zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 02:30Cannes Bei den Filmfestspielen von Cannes hatte gestern ein Mammut-Projekt Premiere: 333 Minuten aus dem Leben des Top-Terroristen Carlos. In den Hauptrollen des französischen Films sind viele gute deutsche Schauspieler zu sehen.
Dem Epos von Regisseur Olivier Assayas, das eigentlich fürs französische Fernsehen gedreht wurde, liegt das Leben von Illich Ramirez Sanchez zugrunde. Der Venezolaner hat traurige Berühmtheit erlangt als "Carlos, der Schakal". Assayas erzählt vom Werden des Terroristen und seinen Untaten mit einem fiebrigen Rhythmus. Der Zuschauer ist sofort mitten im Geschehen.
Wie im Fluge vergehen die fünfeinhalb Stunden. Olivier Assayas, der durch deutsche Fördergelder und die Beteiligung der deutschen Produktionsfirma Egoli Tossel an Deutschland gebunden war, hat viele seiner Szenen in Leipzig und Halle sowie Naumburg gedreht. Wenn die Terroristen zum Beispiel die Wiener OPEC-Konferenz im Jahr 1975 stürmen und die Teilnehmer als Geiseln nehmen, stammen die Szenen in Wahrheit aus Halle. Auf einem Messegelände wurde das Gebäude komplett nachgebaut. Assayas hat aber auch sehr viel Gespür bei der Auswahl seiner Schauspieler bewiesen. Deutsche Terroristen werden von deutschen Schauspielern gespielt. Christoph Bach, Julia Hummer und Nora von Waldstätten haben wunderbare Rollen bekommen, die sie hervorragend ausfüllen. Edgar Ramirez spielt die Titelrolle, Alexander Scheer steht ihm als Johannes Weinrich zur Seite.
Nora von Waldstätten, die Carlos' Ehefrau Magdalena Knopp spielt, beschreibt die Zusammenarbeit mit Assayas so: "Olivier schenkt Schauspielern die Rolle. Wie sie sie vorbereiten, das ist dann quasi ihre Hausaufgabe. Ich habe mehr als drei Monate damit verbracht, mich durch alles Material zu wühlen, das es gibt." – "Carlos" ist eine faszinierende Zeitreise, die es schafft, deutlich zu machen, was Menschen radikalisiert. (Ab Herbst in deutschen Kinos.)
Bilder aus Cannes unter www.rp-online.de/kultur
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