Südafrika wirkt auf die Armen wie ein Magnet
VON GODEHARD UHLEMANN - zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 02:30Südafrika mit seinen rund 48 Millionen Menschen ist Afrikas größtes Einwanderungsland. Sein vergleichsweise hoher Wohlstand wirkt wie ein Magnet. Von 850 000 Asylanträgen, die 2008 weltweit gestellt wurden, entfielen 200 000 auf Südafrika. Seit dem Ende der Apartheid 1994 sind rund vier Millionen Einwanderer ans Kap gekommen, andere Schätzungen gehen sogar von rund sechs Millionen aus.
Dieser massive Zustrom schürt Spannungen, die auch schon in regelrechte Pogrome mündeten. Unvergessen sind die Ereignisse vom 18. Mai 2008, als Südafrikaner den zugewanderten Mosambikaner Ernesto Nhamwavane (35) mit Benzin übergossen und verbrannten. Das Ganze spielte sich in Ramaphosa östlich von Johannesburg ab, wo arme Immigranten neben bitterarmen Südafrikanern leben. Am Tag als der Maurer Ernesto Nhamwavane verbrannte, starben dort 60 Menschen, mehr als 600 wurden verletzt und Dutzende Frauen wurden vergewaltigt. Die Zugewanderten waren nicht Leidensgefährten, sondern Konkurrenten im täglichen Überlebenskampf.
Zugleich ist Südafrika aber auch ein Auswanderungsland. Anfang März beklagte sich Südafrikas Präsident Jacob Zuma bei einem Staatsbesuch in London über britische Unternehmen, die südafrikanische Fachkräfte gezielt abwerben, die das Land selbst dringend braucht. So fehlen in den staatlichen Hospitälern mehr als 10 000 Ärzte und rund 50 000 Krankenschwestern. Gesucht werden vom Ausland auch IT-Spezialisten und Ingenieure. Der wohl wesentlichste Grund für deren Abwanderung ist neben besserer Bezahlung die Sicherheitslage. Mehr als 50 Morde am Tag und mehr als 10 000 Vergewaltigungen im Jahr sprechen gegen Südafrika.
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