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Stummfilmtage in Bonn stehen vor dem Aus

VON CAROLIN BREDENDIEK - zuletzt aktualisiert: 13.08.2010 - 02:30

Vor 26 Jahren fanden sie zum ersten Mal statt, 22 000 Zuschauer kamen allein im vergangenen Jahr – nun ist die Zukunft der traditionsreichen Stummfilmtage in Bonn ungewiss. Wie der Förderverein Filmkultur mitteilte, sollen die städtischen Zuschüsse, die mit 40 000 Euro ein Drittel des Etats ausmachen, auf 30 000 Euro reduziert und nur noch alle zwei Jahre ausgegeben werden. Die Veranstalter berufen sich dabei auf einen Verwaltungsvorschlag des Bonner Kulturausschusses im April.

Die Stadt hingegen warnt vor vorschnellen Urteilen: Aufgrund der kritischen Haushaltslage müsse analysiert werden, wo und in welchem Rahmen Einsparungen vorgenommen werden könnten. Im Fall der Stummfilmtage handele es sich aber lediglich um einen Vorschlag, der bei den Haushaltsberatungen im kommenden Frühjahr ausführlich geprüft werde.

Fest steht jedoch: Sollten die Kürzungen im angedachten Umfang realisiert werden, steht das beliebte Sommerkino wahrscheinlich vor dem Aus. Sponsoren reagieren derzeit eher zögerlich, Gewinne aus Eintrittsgeldern sind nicht zu erwarten: Die Filmtage sind seit jeher kostenlos – das "mit Absicht", so Veranstaltungsleiterin Siegrid Limprecht, "damit alle kommen und ausprobieren können". Und weil nun unklar ist, ob die Veranstaltung auch im nächsten Jahr noch stattfinden kann, werden zum Sommerkino 2010 noch einmal viele zum "Ausprobieren" kommen.

Gestern Abend wurde die Filmwoche im 1500 Sitzplätze fassenden Arkadenhof der Bonner Universität eröffnet. Den Beginn machte eine restaurierte Fassung des lang als unrettbar verstümmelt geglaubten Stummfilmklassikers "Metropolis". Bis zum 22. August sollen viele weitere Wieder- und Neuentdeckungen gezeigt werden. Dabei werden sowohl Werke aus weniger bekannten Stummfilmländern wie China oder dem Iran als auch amerikanische und deutsche Produktionen auf die Leinwand projiziert. Täglich starten Filme wie die frivole Ehegeschichte "So ist Paris" von Ernst Lubitsch oder die Kriminalkomödie von Géza von Bolváry, "Der Geisterzug, um 21 sowie um 22.30 Uhr. Der Zusatz "stumm" ist dabei relativ: Alle Filme werden live von Musikern begleitet.

INFO Das Programm, Porträts der Stummfilmmusiker und Informationen, wie man "Stummer Freund" und Sponsor wird, unter www.film-ist-kultur.de

Quelle: Rheinische Post

 
 
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