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Düsseldorf: Schläpfers Virtuosen tanzen zu Minimal Music

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 19.03.2012 - 02:30

Düsseldorf (RP). Einmal stehen die Tänzer in diesem Käfig aus Ketten und gaffen durch die Wand aus Ösen, während davor zwei Männer eine Frau bedrängen. Sie zerren an ihren Armen, stoßen sie hin und her in fließenden Figuren, die schön sein könnten, wären sie nicht so brutal. Und dazu steigen aus dem Orchestergraben giftige Klänge empor aus Bernd Alois Zimmermanns Orchesterszkizze "Stille und Umkehr". Später werden in einem atemberaubenden Moment die Wände des Kettenkäfigs fallen, zusammenstürzen zu silbrig glänzenden Ösen-Trümmerbergen. Musik von Ryuichi Sakamoto wird die Tänzer in den Krieg trommeln. Im stampfenden Laufschritt werden sie das Feld umrunden, wie Eliteeinheiten beim Training. Die drangsalierten Einzelnen schließen sich zu Gruppen zusammen, doch in die Freiheit entkommen sie nicht.

Es sind Bilder der Gewalt, die das Choreografen-Duo Uri Ivgi und Johan Greben für "Backyard" entwickelt hat. Die wuchtige, in ihrer Bildsprache allerdings auch plakative Choreografie eröffnet als Uraufführung den elften Ballettabend "b.11" von Martin Schläpfer an der Rheinoper in Düsseldorf. Im zweiten Teil zeigt der Ballettchef eine eigene Arbeit, die er ab 2002 in Mainz entwickelt und nun in Düsseldorf auf ihre Gültigkeit befragt und überarbeitet hat. In "Violakonzert" ist wieder zu erleben, mit welcher Präzision Schläpfer Motive aus der Musik in Körpersprache überführt.

Aus Schnittkes "Violakonzert" entwickelt Schläpfer mal streng mit klassischem Ausdrucksrepertoire spielende Szenen, mal ironische Sequenzen, wenn ein Tänzer seine Partnerin förmlich auffordert und in ihren Figuren etwas von Volksfestausgelassenheit aufscheint.

Zum Rausch gerät der Schlussteil, Nils Christes Choreografie zu "Fearful Symmetries" von John Adams. In bestechend klaren, symmetrischen Bildern lässt Christe die Tänzer mit Hockern spielen. Mal starten sie von diesen Startblöcken in Zeitlupe in ein Wettrennen, mal umtanzen sie sie in virtuosen Figuren. Mit Rasanz treiben die Düsseldorfer Symphoniker die Minimal Music voran. Doch Christe unterbricht das Vorwärtspreschen immer wieder, indem er einen Vorhang vor der Szene plötzlich blickdicht ausleuchten lässt. So entstehen harte Schnitte wie im Film, die der Choreograf spektakulär nutzt.

Das Ballett am Rhein beweist in "b.11" seine Fähigkeit, sich unterschiedliche Handschriften anzueignen und sie mit hervorragenden Solisten wie Yuko Kato, Marlúcia do Amaral oder Bogdan Nicula in etwas Eigenes zu verwandeln. Spannend zu erleben, wie Schläpfer mit all diesen Stilen seine Compagnie formt – und sein Publikum.

Quelle: RP
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