Psychedelisch: Paul Weller in Köln
VON MAX FLORIAN KÜHLEM - zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 02:30Köln Ohne Paul Weller wäre die Geschichte der britischen Rock- und Popmusik anders verlaufen. Bands wie Oasis, aber auch junge Künstler wie Amy McDonald verehren den Mann, der einerseits als Vater des Modrock und Britpop gehandelt wird und andererseits mit seiner schwarzen Stimme die britische Variante von Soul und R&B geprägt hat.
Hierzulande muss man Wellers Bedeutung erklären, weil er nicht in Stadien, sondern in Clubs wie der Kölner Live Music Hall spielt. Immerhin bis zum Anschlag gefüllt ist sie bei seinem auf absehbare Zeit einzigen Deutschland-Konzert. Kaum Hits präsentiert Weller da, sondern vor allem Titel seines jüngsten Werks "Wake Up Nation". Einerseits sehr roh, manchmal stumpf drauflosrockend sind Songs wie "7 + 3" oder das Titelstück. Andererseits klingen sie durch eine irrlichternde Orgel versponnen, beinahe psychedelisch. Fast alle Songs des Abends bekommen diesen Einschlag verpasst – ein Konzert zum Abfeiern sieht anders aus. Nur in seltenen Momenten, etwa bei "Into Tomorrow" oder "Broken Stones", erahnt man den alten Weller, dem ein guter E-Piano-Groove alles ist.
Im vergangenen Jahr verstarb Wellers Vater, der 30 Jahre sein Manager war; außerdem ging seine langjährige Beziehung in die Brüche. Wenn er heute auf der Bühne steht, dann zwar keinesfalls wie ein gebrochener Mann, aber doch wie jemand, der trotzdem rocken, der vielleicht mit der Musik vergessen will. Das kann ein bisschen anstrengend sein.
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