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Mein Afrika Wolfgang Niedecken, 59 Rockmusiker und Gründer von "BAP"

zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 02:30

Ich bin 1988 das erste Mal ins südliche Afrika gekommen, nach Mosambik. Damals herrschte dort Bürgerkrieg, aber hier bei uns hat das kaum jemand wahrgenommen. Ich bin mit Vorstellungen dort hingekommen, die stark geprägt waren von der Hungerkatastrophe in Äthiopien und dem Hilfsprojekt "Live-Aid" von Bob Geldof. Ich habe erst allmählich begriffen: Afrika ist riesig und es ist überall anders. Ich habe dann auch später immer wieder gestaunt über die Dimensionen, über die Vielfalt dieses Kontinents.

Ich war seither noch sehr häufig in Afrika, Anfang Juni geht es wieder dorthin, nach Burkina Faso und dann nach Südafrika. Am besten kenne ich wahrscheinlich Uganda, wo ich mich seit 2004 für das Hilfsprogramm "Rebound" für frühere Kindersoldaten engagiere. Deren Schicksal hat mich sehr bewegt. Wir haben dort zum Beispiel zerstörte Schulen aufgebaut und neue Schlafsäle, damit die freigekommenen Kinder lesen, schreiben und ein Handwerk erlernen können, dass sie befähigt, ihr Leben wieder in die Spur zu bringen.

Später war ich dann auch in Ruanda – ein erstaunliches Land, das nach dem Völkermord sehr schnell wieder auf die Beine gekommen ist. Allerdings, das muss man ganz klar sagen: Das ist ein Polizeistaat, in dem knallhart durchgegriffen wird. Aber dafür haben sie die Korruption in den Griff bekommen, das größte Problem, das Afrika meiner Ansicht nach überhaupt hat. Mit unseren Vorstellungen von Demokratie darf man das nicht bewerten. Das ist übrigens etwas, was ich auch erst mit der Zeit lernen musste. Die Vorstellung: Erstmal wird vernünftig regiert, dann gibt es Entwicklungshilfe, das kann nicht funktionieren. Da muss man jede Situation genau anschauen.

So wenig man als Mitteleuropäer die Misswirtschaft und das Chaos in Regierung und Verwaltung nachvollziehen kann, so sehr ist man überwältigt von der unglaublichen Herzlichkeit der Menschen in Afrika. Aber natürlich darf man dabei auch nicht ins Romantisieren verfallen und alles nur noch durch die rosarote Brille sehen. So freundlich und herzlich die Afrikaner sein können, so brutal und grausam können sie auch untereinander sein. Die Afrikaner sind nicht die besseren Menschen! Ich versuche immer nur, möglichst viel Verständnis aufzubringen für ihre Lage.

Wolfgang Niedecken ist Sonderbotschafter der Hilfsaktion "Gemeinsam für Afrika"

Quelle: Rheinische Post

 
 
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