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München: Mäßig – der "Ring" in München

VON VICTOR HENLE - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 02:30

München (RP). Wenn an der Bayerischen Staatsoper – Uraufführungsstätte des "Rheingold" und der "Walküre" – der "Ring" das Bühnenlicht erblickt, dann muss es was Besonderes sein. Erst recht, wenn man dadurch Bayreuth zum 200. Geburtstag Richard Wagners zuvorkommt. Intendant Nikolaus Bachler wählte Andreas Kriegenburg als Regisseur, erklärte die Tetralogie zum Höhepunkt seiner Intendanz und umringte sie mit einem Feuerwerk von Begleitveranstaltungen bis zur "Götterdämmerung", die im Juni die Opernfestspiele eröffnet.

Kriegenburg, der bekennt, Wagner bisher ausgewichen zu sein, will kein aufsehenerregendes Feuerwerk zünden. Er schließt den von ihm als Menschheitsmythos verstandenen "Ring" mit märchenhaften und drastischen Bildern auf. Seine Absicht ist, sinnlich und psychologisch zu erzählen. Daraus entsteht auf einer veränderbaren Einheitsbühne eine Inszenierung ohne interpretatorischen Overkill.

Zum Ausgangspunkt des Rheingold nimmt er sich die "Männer und Frauen", die am Ende der Götterdämmerung dem Göttergau zugeschaut, diesen überlebt haben und nun in einem kollektiven Erinnern den Anfang bis zum Ende retrospektiv erleben. Bereits vor Beginn lagern sie auf der Bühne, bis sie sich nach eingespieltem Wasserrauschen während des Vorspiels zum bewegten Rhein aus nackten Leibern formen. Eine schöne Metapher für die vielleicht einmal gewesene Urharmonie zwischen Mensch und Natur. Die pulsierend aufsteigenden Dreiklänge geraten dadurch allerdings ins Abseits der Aufmerksamkeit.

Wotan ist von Anfang an ein gebrochener Götter-Mensch, der nach Geld giert und rasant verfällt, bis er als gestütztes Wrack in Walhall einzieht. Johan Reuter gelingt es nicht, diese Rolle stimmlich und spielerisch überzeugend zu verkörpern. Einen fulminanten Part legte der Einspringer J.H. Kränzle als Alberich hin, der in passionsgleicher Symbolik mit den Armen an Wotans Speer wie an einen Kreuzbalken gefesselt ins Götterreich geschleppt wird. Jeder der Riesen steht auf einem mächtigen, mit Halbreliefs gefallener Krieger geschmückten Quader. Freia tritt unter dem Schirm eines Apfelbaumes auf, arbeitsunfähige Nibelungen werden in einen Schacht zum Verbrennen geworfen.

In einem der wenigen Gegenwartsbezüge werden die vergreisten Götter zu Pflegefällen. Die psychologische Deutung kleidet Kriegenburg auch in Farben: Die Menschen tragen die Unschuldsfarbe weiß, die grünen Rheintöchter verkörpern den paradiesischen Urzustand, die Götter kontrastieren in feinerem Schwarz. Nur der feuerrote Feuergott Loge setzt einen Farbtupfer, der durch Stefan Margitas brillantes Spiel und präzise sängerische Artikulation gesteigert wird.

Und doch will sich das alles nicht so recht zu einem Ganzen fügen. Im kammerspielartigen Inszenierungsgestus verschafft sich das Bedrohliche und Unheimliche keinen Durchbruch. Dazu leistet auch Kent Nagano mit dem fein differenziert aufspielenden Staatsorchester einen Beitrag. Naganos sängerfreundliches und mitunter Konzertantes hervorbringendes Dirigat ordnet sich zu sehr der Bühne unter und macht die musikalische Sprache zum Begleitmedium. Zaghafte Buhs, nur verhaltener Beifall.

Quelle: RP


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