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Kraftvoll: Supertramp in Gladbach

VON BERND SCHUKNECHT - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 02:30

Es ist frappierend: Nur wenige Takte eines Piano-Vorspiels genügen, dazu vielleicht noch ein paar Saxofon-Töne, und schon weiß fast jeder Popmusik-Fan über 40: Das ist Supertramp. Es gibt nicht viele Bands mit derart markantem Klang-Profil. Dieser Sound ist Fluch und Segen zugleich: Anfang der 70er Jahre war er die Grundlage für den gigantischen Erfolg der Band. Später blockierte er die musikalische Weiterentwicklung von Supertramp.

Rund 7000 Zuschauer bejubelten nun im Mönchengladbacher Hockeypark das Konzert, das die Briten im Rahmen ihrer "70-10"-Tournee gaben. Es ist die erste nach acht Jahren. Rick Davies, seit dem Weggang von "Zweitstimme" Roger Hodgson unbestritten "Obertramp", wirkt auf der Bühne hinter seinem kompakten E-Piano brav. Er erinnert an einen in die Jahre gekommenen Schroeder aus dem Comicstrip "Peanuts". Seine stakkatohaften Synkopen zwischen trocken gehämmertem Ragtime und Spieldosen-Klingklang klingen zwar scharf akzentuiert, insgesamt wirkt er aber ein wenig verträumt, eben so wie die Comic-Figur.

Von der einstigen Erfolgsbesetzung sind nur noch John Anthony Helliwell (Saxofon, Klarinette), der durchaus als jüngerer Bruder Klaus Doldingers durchgehen könnte, sowie Ben Siebenberg (Schlagzeug) dabei – sein Sohn Jesse ist für die Perkussion zuständig. Die weiteren musikalischen Mitstreiter sind exzellent, und niemand vermisst Roger Hodgson, zumal der Chor mit den Falsett-Einlagen absolut keine Probleme hat.

Supertramp lässt es zunächst ruhig angehen, auch wenn ein dominant nach vorn gemischter Bass stets auf die gleiche Stelle in der Magengrube trifft. "Cannonball" entpuppt sich als verirrte Kanonenkugel, die ursprünglich auf ambitionierten Fusion-Jazz zielen sollte, dann aber in Rock-Gefilde abdriftet, um letztlich im stumpfen Disco-Funk der 80er Jahre zu detonieren. "It's Raining Again", vom Publikum frenetisch bejubelt, präsentiert Supertramps Faible für Pop, eingängig, wunderbar zum Mitsingen, aber musikalisch letztlich belanglos.

Welche Kraft die Band – auch heute noch – entwickeln kann, demonstriert "Rudy", eine mit wechselnden Tempi kraftvoll dynamisch inszenierte Prog-Rock-Mini-Sinfonie, die zudem mit einer aus der Lokführer-Perspektive gefilmten Schnellzugfahrt kongenial visualisiert wird.

Nach knapp zwei Stunden und Zugaben forderndem Schlussapplaus erklingt "School", mit der gleich nach dem "Spiel mir das Lied vom Tod"-Thema bekanntesten Mundharmonika-Melodie. Ein großer Moment, der für Gänsehaut sorgt. Und letztlich darf natürlich auch "Dreamer" nicht fehlen, das durchaus als Motto für den spätsommerlichen Konzertabend funktioniert hätte.

Supertramp setzt längst keine musikalischen Maßstäbe mehr. Die Band liefert aber noch immer den Soundtrack für ein beglückendes "Sich-Zurückträumen" in die Jugendzeit.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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