Düsseldorf: Kraftklub – Hymnen für heute
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 02:30Düsseldorf (RP). Die Chemnitzer Band Kraftklub trat Ende September beim Bundesvision Song Contest auf, und ihr Lied "Ich will nicht nach Berlin" war so lustig, dass man gar nicht aufhören wollte, daraus zu zitieren: "Businessmäßig hab ich mich da noch nicht festgelegt", heißt es da, "irgendwas im Creative-Bereich, bloß keinen 9-to-5-Job, ich mach einfach einen Fashion-Blog." Und im Hintergrund ruft immer jemand "aha!", "uncool!", "auf jeden Fall!" und "i like!". Der Song wurde viel im Radio gespielt, und obwohl die Hauptstadt in dem Hit aufs Korn genommen wird, wurde er dort zur Hymne.
Man freute sich also auf das Album, auf weitere Karikaturen des Zeitgenössischen. Die CD ist nun da, sie heißt "Mit K", stieg direkt auf Platz eins in die deutschen Charts ein, und sie ist tatsächlich ziemlich gelungen. Musikalisch geht es eher einfach zur Sache: Indierock mit Haudrauf-Absicht, selten mal eine Ballade, immer Sprechgesang. Was das Quintett indes auszeichnet, sind sein Humor, das Spiel mit der Popkultur und die Beherztheit, mit der die Musiker alles in den Mixer werfen. "Ich bin 20, einer ganzen Generation geht es ähnlich / Pornos, Gruppensex – alles schon mal dagewesen / Wir haben Philip Roth zehn Jahre danach gelesen."
Sie singen zur Melodie von Becks "Loser" aus dem Jahr 1994 die Verse "Ich komm aus Karl-Marx-Stadt / Bin ein Verlierer, Baby / Original Ostler", sie zitieren Morrissey und Tocotronic, und ein Lied über das Ende einer Liebe geht so: "Ich bin nur noch ganz selten auf deinem Facebook-Profil". Das ist nicht immer neu, manchmal arg harmlos, aber meistens wahrhaftig.
Musik für jetzt, für die Realität. Gibt es selten im deutschen Pop.
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