Kölner Opernintendant wirft hin
VON REGINE MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 25.04.2012 - 02:30Uwe Eric Laufenberg gibt seinen Posten vorzeitig ab. Die Kölner Politik – so meint er – weiß die Kultur nicht zu schätzen. Ist der Streit um die Finanzen der Kölner Oper weiteres Anzeichen für einen "Kulturinfarkt" deutscher Kommunen? Die Zukunft der bedeutenden Bühne ist ungewiss.
Köln Es war eine Spielplan-Pressekonferenz, die in die Annalen der Theatergeschichte eingeht – als absurdes Theater und als Tiefpunkt kommunaler Kulturpolitik. Denn am Ende der ursprünglich als Spielplankonferenz angesetzten Veranstaltung stand der von Intendant Uwe Eric Laufenberg lakonisch hingeworfene Menetekel-Satz: "Es hätte so schön sein können!"
Doch der Reihe nach. Dass mindestens eine Bombe platzen würde, war zu erwarten gewesen. An die 100 Pressevertreter drängelten sich im Wettbewerb um die Plätze ins Rangfoyer des sanierungsbedürftigen Opernhauses am Offenbachplatz. Die erste Anspannung löste sich im Applaus der Mitarbeiter, der den Auftritt des kämpferischen Intendanten demonstrativ begleitete.
Mit versteinerter Miene ergriff er dann das Wort und zündete gleich zwei Bomben: "Bis vor einer Stunde wollte ich Ihnen noch das Folgende mitteilen: Ich stelle Ihnen hiermit meine letzte Spielzeit vor!" Die erste Bombe: Laufenberg gab bekannt, dass er seinen regulär noch bis 2016 laufenden Vertrag – der aufgrund seiner großen künstlerischen Erfolge sogar einmal verlängert werden sollte – zum Ende der Spielzeit 2012/13 auflösen wird.
Die zweite Bombe: Er teilte mit, dass er seine fix und fertig geplante Spielzeit überhaupt gar nicht vorstellen konnte – oder vielmehr durfte, denn die Politik bzw. der vorsichtshalber durch Abwesenheit glänzende Kölner Kulturdezernent Georg Quander hatte ihm genau das eine Stunde vor der Pressekonferenz schlichtweg untersagt. Den Maulkorb-Brief des Dezernenten verlas Laufenberg daraufhin im peinlichen Wortlaut, bevor er sodann im Vorbehalts-Konjunktiv die zehn geplanten Neuproduktionen wenigstens in Ansätzen erläuterte.
Tatsächlich ist nicht eine der Premieren bislang finanziell und vertraglich in trockenen Tüchern. Denn die Verträge schmoren bei Geschäftsführer Patrick Wasserbauer – ebenfalls abwesend –, der diese aufgrund der ungeklärten Finanzen nicht zur Unterschrift freigibt. Erst in der vergangenen Woche schien das schon lange brodelnde Problem endlich gelöst, als die Kölner Politik der Oper erst gestattete, einen Kredit über die fehlenden fünf Millionen Euro aufzunehmen, dann aber wiederum in letzter Minute einen Rückzieher machte, indem sie untersagte, diesen Kredit auch zu nutzen. Daraufhin gab Laufenberg bekannt, dass er nun handlungsunfähig sei, und stellte erstmals den Ausfall der ganzen Spielzeit in den Raum.
Als Laufenberg die Kölner Oper 2009 übernahm, dümpelte das einst so glanzvolle Haus seit Jahren in der Bedeutungslosigkeit. Auch finanziell hatte die Kölner Oper den Anschluss verloren: Noch 2002 rangierte der Etat auf einer Höhe, die sich mit in der Größe ähnlicher Häusern wie Stuttgart, Frankfurt oder Düsseldorf vergleichen ließ. Zuletzt lag der Betriebskostenzuschuss in Köln bei 29 Millionen, Düsseldorf und Frankfurt dagegen verfügen über mehr als 40 Millionen. Allein die nackten Betriebskosten verschlingen in Köln aber 31,5 Millionen, bevor noch ein einziger Euro in die Kunst geflossen ist.
"Internationales Niveau" versprach man sich von Laufenberg und schrieb ihm dies in seinen Vertrag. 34,4 Millionen verlangt Laufenberg als "unterstes Limit", um überhaupt noch produzieren zu können, 32 Millionen wollte man ihm nun doch noch bewilligen. Und ihn zwingen, ruckzuck den Spielplan daraufhin "anzupassen", wie es in Kulturdezernent Quanders Brief heißt. Und den Rest eben gar nicht erst bekannt zu geben. Da sich faktisch aber nicht unterschriebene Verträge auf alle Produktionen verteilen, konnte nun eben keine Produktion, abgesehen von sechs Vorstellungen von Verdis "La forza del Destino", vorgestellt werden.
Laufenberg: "Es ist aus."
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