Jamie Cullum swingt in Köln
VON BERND SCHUKNECHT - zuletzt aktualisiert: 05.06.2010 - 02:30Köln Von wegen gediegene Atmosphäre eines feinen Kulturtempels: Jamie Cullum und Band schafften es, die ausverkaufte Kölner Philharmonie veritabel zu rocken. Zahlreiche musikalische Größen haben dort in der Vergangenheit sicherlich großen Beifall erhalten, aber nur wenige dürften diesen frenetischen Applaus-Pegel je erreicht haben wie der mittlerweile 30-jährige Pianist und Sänger aus England, dem noch immer der Lausbuben-Charme eines "Twenty Something" anhaftet.
Souverän, ohne künstliches Retro-Kalkül, lässt Cullum Jazziges swingen, intoniert den Blues ebenso authentisch wie zeitgemäß und reichert das Ganze dosiert mit Pop und Rock an. Es klingt nicht nach Anzug, weißem Hemd und Krawatte, sondern nach T-Shirt, Jeans und Sneaker, und dementsprechend leger und herzerfrischend kommt es rüber. Wie Lena Meyer-Landrut, die er zuvor kurz kennengelernt und zum Gewinn des Eurovision Song Contest gratuliert hat. Aber "Satellite" wolle er denn doch nicht singen. Wenn er covert, dann entstammen die Songs einer anderen Liga, dann ist es Cole Porters "One Of These Things" oder das wunderbare "High And Dry" von Radiohead. Cullum offenbart die entwaffnende Lockerheit eines brillanten Könners, die natürlich auch in den eigenen Songs wie dem eingängigen Radio-Hit "I'm All Over It" oder dem tieftraurigen "You And Me Are Gone" zum Ausdruck kommen.
Als Pianist verbindet er exzellente Spieltechnik mit offenbar nie versiegendem Einfallsreichtum, als Entertainer, der an einer Rhythmus-Loop schier verzweifelt, ist er mehr als sympathisch, und als er zum Finale zwischen den Rängen ganz ohne Mikrofonverstärkung sein "Cry Me A River" hautnah präsentiert, hat das nichts Posenhaftes.
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