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"Ich wollte nur unterhalten"

zuletzt aktualisiert: 23.05.2011 - 02:30

Cannes Der Filmemacher Lars von Trier hat in Cannes wieder für einen Skandal gesorgt: Diesmal aber nicht mit seinem Film "Melancholia", sondern mit seinen Äußerungen zum Nationalsozialismus: "Okay, ich bin ein Nazi", erklärte er vor Journalisten und wurde daraufhin von der Festivalleitung zur "persona non grata" erklärt.

Was ist in Ihnen bei der Skandal-Pressekonferenz eigentlich vorgegangen?

von Trier: Ich war eingeschüchtert von den vielen Menschen im Saal. Bevor aber jetzt jemand sagt, dass ich mich herausreden würde, sage ich ganz deutlich, dass es mir leidtut. Dieser Vergleich mit mir und dem Deutschsein und Hitler hätte mir nicht passieren dürfen.

Warum ist es trotzdem passiert?

von Trier Weil ich etwas gegen die Unsicherheit machen wollte. Wenn ich Ihnen gegenübersitze, dann können Sie auf alles reagieren. Und wenn ich sage, dass ich Hitler toll finde – was ich im Übrigen nicht gesagt habe – dann würden Sie bestimmt fragen, ob das jetzt stimmt.

Es hat Sie also keiner gestoppt?

von Trier Das wäre wohl das Beste gewesen. Aber weil alle um mich herum gelächelt oder gelacht haben, habe ich immer weiter gemacht. Bis ich nicht mehr wusste, wie ich aus der Nummer herauskam. Eigentlich wollte ich nur eines: Ich wollte nur unterhalten!

Welche Rolle spielt dabei die Sprache?

von Trier Hätte ich den Hitler-Satz in Dänisch und nicht Englisch gesagt, dann hätte er genau so geklungen: "Ich kann mich in diesen Menschen Adolf Hitler gut hineinversetzen. Ich kann mir gut ausmalen, was er am Ende in seinem Bunker gefühlt hat. Wir sollten den Menschen hinter dem Monster sehen." Dann hätte ich einen Punkt gemacht – wahrscheinlich – und nicht weiter gesprochen.

Das Festival hat reagiert und Sie ausgeschlossen; danach setzte ein Hin und Her von Entschuldigungen ein.

von Trier Und alles, weil ich mich zum kompletten Idioten gemacht habe. Jawohl, das Festival hat mich aufgefordet, mich zu entschuldigen. Was ich getan habe. Dann hat das Festival das akzeptiert. Um mich kurz darauf zur "persona non grata" zu erklären. Ich habe keine Ahnung, wie lange das gilt. Ich bin nur froh, dass es mich getroffen hat und nicht meinen Film.

Besonders schade ist, dass es diesen Ärger ausgerechnet um das Meisterwerk "Melancholia" gibt.

von Trier Sehe ich auch so. Vor ein paar Wochen war ich noch nicht so sicher, ob mir der Film gelungen ist. Aber da habe ich mich wohl getäuscht. Er ist gut so wie er geworden ist.

Quelle: RP/csr


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