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"Ich werde ihm immer dankbar sein"

VON EDGAR REITZ - zuletzt aktualisiert: 27.01.2011 - 02:30

Der plötzliche Tod von Bernd Eichinger hat die Filmwelt erschüttert. Natürlich hatte ein derart lebendiges und umtriebiges Energiebündel wie Bernd Eichinger viele Kritiker und nicht annähernd so viele Freunde, wie sich jetzt mit Trauermiene zu Wort melden. Es zeigt sich aber, dass Eichinger zutiefst ein Kinofanatiker war, der allen, ob sie es wollten oder nicht, Maßstäbe gesetzt hat. Was uns jetzt fehlen wird, ist sein Feuer, seine Leidenschaft und sein unbedingter Glaube an die Zukunftsfähigkeit des Kinos.

Ich lernte Eichinger in seiner frühen Zeit kennen, als er gerade von der Münchener Filmhochschule kam und seine erste Produktionsfirma, die Solaris gegründet hatte. Der wunderbare Science-Fiction-Film von Andrei Tarkowski, ein hochkünstlerisches Werk des internationalen Autorenfilms hatte ihn zu dieser Namenswahl für seine Firma inspiriert. Ich hatte gerade einige Monate bis zum Drehbeginn des "Schneider von Ulm" zu überbrücken und erzählte Eichinger von einer Geschichte, die in den Tagen des Kriegsendes in Mitteldeutschland spielt. Er brauchte keine Stunde, um sich zur Übernahme der Produktion zu entscheiden und nach wenigen Gesprächen brachte er mich mit dem Kameramann Gernot Roll zusammen. Er war sich absolut sicher, dass wir beide, die sich noch nie im Leben begegnet waren, zusammenpassen würden.

Hier zeigte sich bereits sein Produzenten-Instinkt. "Stunde Null", der Film, den wir dann innerhalb weniger Wochen miteinander auf die Beine stellten, wurde ein Glücksfall, ein Film, der bis heute Gültigkeit behielt und ein Vorläufer der "Heimat" wurde. Die Zusammenarbeit mit Roll hatte ebenfalls Bestand und spielte eine gewichtige Rolle bei der Entstehung der "Heimat 1". Bernd Eichinger hatte inzwischen andere Pläne und begann, wie wir alle wissen, sein Imperium aufzubauen. Seine Anfänge aus dem Geist des Autorenfilms aber hat er nie ganz vergessen. Er besuchte mich mehrmals bei den Dreharbeiten der "Heimat" im Hunsrück und übernahm mit beachtlichem Vergnügen die Rolle eines Finanzhais (heute würde man sagen, einer "Heuschrecke"). Als der Rohschnitt der ersten "Heimat"-Staffel im Herbst 1983 fertig war, wollte Eichinger von uns wissen, welchen Titel wir dem Werk geben. Er hatte den Titel "Heimat" bei den Dreharbeiten auf der Filmklappe gelesen und konnte nicht verstehen, warum die Fernseh-Redakteure und unsere Berater heftige Widerstände gegen das Wort ins Feld führten. Das Wort war damals wirklich noch tabu und erinnerte viele Leute an Nazi-Propaganda, Pseudofolklore und die Verlogenheit deutscher Nachkriegsfilme. Eichinger hatte nicht nur die Souveränität, sich über solche Bedenken hinwegzusetzen, nein, er mischte sich aktiv ein und bot an, die Kosten der Kino-Premiere zu übernehmen, wenn wir den Titel "Heimat" übernehmen.

Nichts hat mir in meinem Filmemacher-Leben so viel Glück gebracht, wie diese Einmischung von Bernd Eichinger. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein. Obwohl unser Kontakt in den letzten Jahren sehr gering war, werde ich ihn vermissen, denn er gehörte zu den wenigen Menschen, die auch dann wichtig werden können, wenn sie einfach nur da sind.

Quelle: RP


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