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Hunde-Erziehung leicht gemacht

VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 13.09.2010 - 02:30

Wer sich für einen Hund entscheidet, muss schon am ersten Tag mit der Erziehung beginnen. Die Besitzer sollten liebevoll Grenzen setzen und konsequent bleiben. Denn der Zweibeiner muss im Gespann Mensch-Hund den Ton angeben, ohne um Aufmerksamkeit zu buhlen.

Kein Blick kann so herzerweichend sein wie der eines Welpen, der aufs Sofa möchte. Ein Fiepen, ein fester Stups mit der Pfote gegen Herrchens Schienbein – und Hundebesitzer werden weich. Lassen den Kleinen aufs Sofa, aufs Bett, ins Kinderzimmer. Werfen den Ball, wenn das Tier es möchte, reichen Leberwurstbrote an den wuscheligen Bettler am Frühstückstisch. Aber irgendwann wollen die Menschen das Bett mal für sich, sind vom fordernden Fiepen am Tisch genervt. Jetzt dem Hund klarzumachen, dass es sich beim letzten Mal um eine "Ausnahme" handelte, dürfte Herrchen schwerfallen. Denn der Hund weiß: "Es kann funktionieren." Allein die Aussicht auf diesen Erfolg motiviert, es weiter zu versuchen.

Für ein geregeltes Zusammenleben muss sich der Hund an "seinem" Menschen orientieren können. Er braucht ihn als verlässlichen Sozialpartner, der Halt gibt und zu führen versteht. Der Mensch solle "agierender Teil der Lebensgemeinschaft sein" – und nicht nur auf das Verhalten des Hundes reagieren, fordert Günther Bloch, der das Verhalten von Wölfen und Hunden erforschte. Wer auf ein Bellen hin das Leberwurstbrot unter den Tisch reicht, agiert nicht – er reagiert. Um es sportlich zu sagen: 1:0 für den Hund.

Ebenso unverständlich ist für den TV-bekannten Hundetrainer Martin Rütter das ständige "Einreden" von Hundeeltern auf das Tier. Egal ob beim Gassigehen oder auf dem Sofa: Viele reden unablässig auf den Hund ein, der doch so verständig dabei dreinschaut. Damit mache der Hund die Erfahrung, dass "sein Mensch" um Aufmerksamkeit buhle – 2:0 für den Hund.

Lange Erklärungen ("Du musst jetzt an der Straße ,Sitz' machen – schau, da kommt ein Auto!") sind dem Hund egal. Ein einfaches "Sitz" als Hörzeichen oder der erhobene Zeigefinger als eingeübtes Sichtzeichen dazu kann schon der wenige Wochen alte Welpe lernen. Manche Trainer empfehlen, ein Leckerchen über die Nase des vor dem Halter stehenden Hundes zu führen und dabei "Sitz" zu sagen. Setzt sich der Hund, gibt's das Leckerchen. Andere raten abzuwarten, bis der Hund sich von allein hinsetzt, dann "Sitz" zu sagen und kräftig zu loben. In beiden Fällen lernt der Hund durch positive Verstärkung: Für das erwünschte Verhalten gibt es ein Lob, ein Leckerchen, ein kurzes Spiel – in jedem Fall angenehme Aufmerksamkeit. Erkenne der Hund einen Reiz als angenehm, werde er stets bestrebt sein, diesen Reiz wieder zu erlangen, erklärt die Tierlehrerin Gudrun Feltmann-von Schroeder. Auch kleine Kunststückchen lernen viele Hunde auf diese Weise im Nu.

Schwieriger wird es, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt und Sachen macht, die man bestenfalls als störend (Hochspringen, Dauerkläffen, Schuhe zerbeißen), schlimmstenfalls als gefährlich (beim Spaziergang Ungenießbares aufnehmen, Jogger jagen) bezeichnen würde. Je nach Rasse, Umfeld und individueller Entdeckungslust entwickeln Hunde im Laufe ihres Lebens Interessen, die denen "ihres" Menschen entgegenstehen. Da lohnt es sich dann, wenn sich Besitzer bereits in Konsequenz geübt haben und darauf beharren, dass "Nein" auch Nein heißt.

Gegen unerwünschtes Verhalten gibt es allerhand Tipps, aus denen Halter den für sie und ihren Hund passenden herausfiltern müssen: Manche raten, einen anderen Reiz anzubieten, dem der Hund nicht widerstehen kann (Tauschgeschäft), oder durch Spiele das Gassigehen so interessant zu gestalten, dass der Hund die Pferdeäpfel auf dem Waldweg gar nicht mehr so spannend findet. Es kann auch hilfreich sein, den geliebten Gegenstand für den Hund möglichst unattraktiv zu machen: die Kau-Schuhe etwa mit etwas Minzöl beträufeln. Sich abwenden, wenn der Hund hochspringt, ihm also Aufmerksamkeit entziehen.

Im Zweifel helfen eine gute Hundeschule, ein Tiertrainer, der auch Hausbesuche anbietet, oder Bücher zur Hundeerziehung.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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