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Tänzerwettstreit dreidimensional

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 03.06.2010 - 02:30

Musikfilm "Street Dance 3D" aus Großbritannien

Journalisten können ganz schön daneben liegen. Anfang der 80er Jahre, als bei uns die ersten großen Artikel über Grandmaster Flash und andere Pioniere des Hip-Hop erschienen und über jene Tanzform, die von den Medien Breakdance getauft wurde, weil das griffiger klang als B-Boying, wie die Szene selbst ihren Stil nennt, schwärmten viele Schreiber vom Schwinden der Gewalt. Die Konflikte in den Ghettos, durfte man da lesen, würden künftig nicht mehr mit Messern und Schusswaffen, sondern mit Reimen und Kopfstandfiguren ausgetragen.

Drei Jahrzehnte später gibt es die Gewalt in den Ghettos noch. Die Kultur aus Bronx und South Central L. A. aber hat sich weltweit ausgebreitet. Tanz ist noch immer ein Mittel individueller und kollektiver Selbstbehauptung, sozialer Abgrenzung und auch mal sozialen Aufstiegs. Nur ist die Lage darum kompliziert, weil auch die weißen Mittelschichtkinder die Kultur von unten begeistert aufgenommen haben. Enteignung und Verbrüderung sind schwer voneinander zu unterscheiden. Immerhin hat die Filmindustrie gemerkt, dass sie tröstliche Antworten auf heikle Fragen verkaufen kann.

"Street Dance 3D" von Max Giwa und Dania Pasquini aus Großbritannien sucht die ganz große Versöhnung. Carly (Nichola Burley) und ihre Crew, mit der sie es bis zu den britischen Meisterschaften im Street Dance gebracht hat, kommen sichtlich aus den ärmeren Stadtvierteln. Sie brauchen dringend einen Übungsraum, und wie das Leben im Kino so spielt: Eine Lehrerin (Charlotte Rampling) an der piekfeinen Royal Dance School findet Gefallen an Carly und der Dynamik ihres Tanzes, von der sie sich Inspiration für ihre eigene Ballettklasse (u.a. Richard Winsor) erhofft. Die Kids der Schnellfraßbudenwelt müssen sich mit Bürgerskindern und Elitekultur arrangieren.

Aus dem Aufeinandertreffen von Verschiedenheiten und Vorurteilen ließe sich etwas machen. Die fernseherfahrene Drehbuchautorin Jane English skizziert aber nur ein paar Klischeekonfrontationen und handelsübliche Missverständnisse. Der Ballettnachwuchs und die Street Dancer finden Zug um Zug zueinander, alle sind irgendwie nett, und soziale Differenzen finden ihren Ausdruck vor allem im Kleidungsstil. Das große Wettbewerbsfinale wird eine Orgie des schlechten Geschmacks in Weiß, ein plump-pathetisches Durcheinander von Zehenspitzengehupfe und Power Moves.

Zuvor hat der Film, dessen Tänzer bei der Casting-Show "Britain's Got Talent" rekrutiert wurden, ein paar sehr viel bessere Choreographien zu bieten. Aber optimal fotografiert und geschnitten sind sie nicht, was an der Konzentration der Filmemacher auf die noch ungewohnte 3D-Technik liegen mag. Wer hofft, das Körpergefühl beim Tanzen ganz neu vermittelt zu bekommen, muss mindestens bis Mitte August warten. Dann soll der dritte Teil der "Step-Up"-Reihe im Kino starten, ebenfalls in 3D. ll

Quelle: Rheinische Post

 
 
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