Sehenswerte Filme: So wird die Berlinale 2012
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 12:36Berlin (RP). Donnerstagabend beginnen die 62. Filmfestspiele von Berlin mit dem französischen Film „Leb wohl, meine Königin!“. Bis 19. Februar konkurrieren 18 Filme um die Goldenen Bären, darunter drei deutsche Beiträge. Ein Überblick.
Es könnte ein Festival der Entdeckungen werden: Die meisten Filme im Wettbewerb dieser Berlinale sind Weltpremieren. Berlin will also nicht mehr europäische Startrampe sein für Filme, die in den USA längst zu sehen sind.
Das hatte im vergangenen Jahr für Unmut gesorgt, als die Berlinale mit dem Western der Coen-Brüder "True Grit" eröffnete. Ein starker Film, doch lief er wegen des Oscar-Rennens bereits in Amerika, das deutsche Festival war nur zweitklassiger Haltepunkt für den Vermarktungszirkus.
Diesmal setzt Festivalchef Dieter Kosslick mit dem französischen Eröffnungsfilm "Leb wohl, meine Königin!" von Benoît Jacquot auf eigenwilliges europäisches Kino. Jacquot ist ein Kostümfilmspezialist, doch setzt er vergangene Epochen nicht rüschenselig bieder in Szene, sondern formt wirkliche Charaktere mit Motiven, die modern wirken, weil sie zeitlos sind. Man darf also gespannt sein, wie dieser Regisseur in den Tagen der Französischen Revolution aus der Perspektive der Dienerschaft auf die herrschende Klasse blickt.
Die Berlinale sucht sich mit diesem Auftakt wieder als das winterlich harte, politische Festival zu behaupten. Denn es gibt noch mehr Wettbewerbsfilme, in denen es um Unterdrückung geht und das Aufbegehren dagegen.
Aus Dänemark etwa kommt ein weiterer Kostümfilm, der von einem Armenarzt erzählt, der den dänischen Herrscher Christian VII. im 18. Jahrhundert zu allerlei Reformen überredet, dafür aber von reaktionären Kräften vor Gericht gezerrt wird. Zeitgenössisch erzählen die italienischen Brüder Paolo und Vittorio Taviani von einer Gruppe Sträflinge, die im Gefängnis Shakespeares "Julius Cäsar" einstudieren.
Die drei deutschen Wettbewerbsteilnehmer legen allesamt Beziehungsfilme vor. Allerdings spielt zumindest bei Christian Petzold das Politische direkt eine Rolle, denn er siedelt seinen Film 1980 in der DDR an. Und auch bei Matthias Glasners Expedition ins nördliche Norwegen und Hans-Christian Schmids Trip in die Verwerfungen einer Familie dürften sich in den privaten Beziehungen gesellschaftliche Verhältnisse spiegeln.
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