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Robin Hood – wie alles begann

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 13.05.2010 - 02:30

"Gladiator"-Regisseur Ridley Scott hat sich die Legende von Robin Hood vorgenommen. Doch er erzählt nicht die romantische Sage vom Waldpiraten, der seine Beute an die Armen verteilt, sondern Robins Vorgeschichte. Darin kämpft er für das Recht auf Eigentum – und scheitert.

Dieser Robin Hood hört auf Befehle. Natürlich kämpft er in der ersten Reihe, wenn sein König zur Attacke ruft, und lässt seine Pfeile so zielsicher und protzmuskel-beschleunigt auf die belagerte Burg niederprasseln, dass die Toten nur so von den Zinnen purzeln. Ein tapferer Mann, befindet Richard Löwenherz. Doch als Robin seinem König nach der Schlacht nicht schmeicheln mag, findet er sich sofort im Folterstuhl wieder, und die Brandeisen im Hintergrund brutzeln schon. Denn dieser Robin Hood, dieser wagemutige Bogenschütze, ist vor allem eins – ein Untertan.

Einen ungewöhnlichen Robin Hood hat sich Ridley Scott für seine Neuverfilmung des alten Sagenstoffes ausgedacht. Sein Titelheld ist kein kecker Bogenvirtuose aus dem Sherwood Forest, sondern der bullige, geradlinige, stiernackige Russell Crowe. Scotts Lieblingsdarsteller. Und der springt nicht geschmeidig hinter Bäumen hervor, um adeligen Goldjungs oder bierbäuchigen Kirchenmännern die Schätze zu rauben. Dieser Robin verteilt sein Geld auch nicht an die Armen, er hat kein privates Umverteilungsprogramm. Ridley Scott erzählt vom frühen Robin Hood, der noch nicht geächtet ist, noch nicht im Wald hausen muss, sondern als braver Söldner dem englischen König dient. Weitgehend versöhnt mit seinem niederen Platz in der Gesellschaft.

Erst als Löwenherz stirbt und dessen schamloser Bruder John an die Macht kommt, ein prunksüchtiger Tyrann ohne Sinn für die Rechte seines Volkes, wird Robin Hood ein Radikaler. Freilich noch immer kein Gesetzloser, sondern gerade umgekehrt ein Vorkämpfer des Rechts. Im Namen der nordenglischen Rittersleut fordert Robin schriftliche Verträge mit dem Tyrannen – Gesetze, die den Besitz der Barone vor königlicher Willkür schützen sollen. Als hätte er John Locke gelesen, kämpft dieser Robin für bürgerliche Freiheit und den Schutz des Eigentums vor dem Willkür-Zugriff des Souveräns. Nein, so hatte man sich Robin Hood nicht vorgestellt.

Aber das macht nichts. Ridley Scott will eben nicht von dem vagabundierenden Abenteurer in sozialromantischer Mission erzählen, sondern davon, wie Robin wurde, wovon die Legende erzählt. Ein enttäuschter Aussteiger nämlich, den der Reformunwille seines Herrschers in den Wald treibt. Und als man ihn in den letzten Szenen dieses Films endlich auf der Lichtung im Grünen tanzen sieht, während seine Geliebte, Maid Marian, Homöopathisches an blonde Kinder verlöffelt, da stellt sich so etwas wie Zufriedenheit ein, weil man jetzt endlich weiß, warum dieser Robin ins Unterholz geflüchtet ist. Und weil man immerhin die 140 Minuten zuvor von Lagerfeuer umprasselter Räuberromantik und Pfeilspaltereien verschont wurde.

Stattdessen gibt es in diesem Ridley Scott wieder große Schlachtszenen, auch auf dem Wasser. Dazu viele rasante Kamerafahrten im Windschatten der Bogenpfeile, die großzügig verschossen werden. Und dekorativ verdrecktes Mittelalterleben mit gelegentlichen Gelagen zur Schalmei. Die wenigen komischen Szenen mit dem Imker-Mönch Bruder Tuck wären durchaus entbehrlich gewesen. Denn eigentlich ist dies ein düsterer Film, ein ernstes Abenteuer, ein gewichtiger Kampf um bürgerliche Freiheit – wenn es auch erst mal nur um die Barone geht.

Darum ist es auch gut, dass dieser "Robin Hood" nebenher eine eher herbe Liebesgeschichte erzählt. Dazu kämpft Cate Blanchett als Marian zunächst ansehnlich an allen Fronten: Auf dem Feld bändigt sie den Ackergaul, in der Kirche fordert sie mutig ihr Saatgut zurück, und als Russell Crowe in ihr Leben geschubst wird, behauptet sie sich in der Rolle der gleichberechtigten Amazone. Marian und Robin sind reife Kämpfernaturen. Zwischen solchen Menschen knistert es nicht. Sie sind nicht gemacht für Burgfräulein-Romantik. Doch darauf hat es Scott auch gar nicht abgesehen. Russell Crowe muss die erste Nacht auf dem Stroh bei den Hunden schlafen und sich seinen ersten Kuss blutig erkämpfen. In diesem Film ist Privatleben zu sehr bedroht, als dass daraus Szenen inselhafter Glückseligkeit werden könnten. Man vermisst sie nicht.

Dieser Film findet zu einem guten Rhythmus aus Kampfszenen und erzählerischen Passagen. So wird man hineingezogen in die eigentlich sperrige Geschichte um einen seltsam staatstragenden Robin Hood, der dafür kämpft, dass die Frucht der eigenen Arbeit nicht von mächtigeren Kräften kassiert und vernichtet werden darf.

Wahrscheinlich ist das der Kampf eines Helden im Finanzkrisenjahr 2010. lll

Quelle: Rheinische Post
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