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Kühles Holocaust-Drama

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 02:30

Kriegsfilm "In Darkness" aus Polen

In einem Wald beobachtet der Pole Socha, wie deutsche Soldaten eine Gruppe Frauen durchs Gebüsch jagen wie Vieh. Schnell verschwinden Jäger und Gejagte in einer Senke, und erst das Knattern von Gewehrsalven weckt Socha aus der Erstarrung. Er setzt seinen Weg fort und schüttelt das Gesehene ab wie eine unwirkliche Schreckensvision.

Socha führt in Lemberg (einst das polnische Lwow, heute das ukrainische Lwiw) unter deutscher Besatzung ein Doppelleben. Er plündert die verlassenen Wohnungen jüdischer Familien und versteckt das Raubgut im Labyrinth der Abwasser-Kanäle. Ein Kollaborateur der Deutschen lockt ihn mit Kopfgeld für jeden Juden, den er in den Abwasser-Tunneln aufspürt. Doch von dem Trupp jüdischer Flüchtlinge, dem er dort begegnet, kann Socha noch mehr Geld erpressen für ein sicheres Versteck und Verpflegung.

Die polnische Regisseurin Agnieszka Holland zögerte zunächst, einen weiteren "Holocaust-Film" zu drehen – nach einem Drehbuch, das der Kanadier David F. Shamoon aus den Berichten von Lemberger Überlebenden filterte. Was sie an dem Stoff reizte, ist der Kontrast zu "Schindlers Liste". Holland nähert sich mit einem ebenso kühlen, distanzierenden Blick wie ihr zwiespältiger Held Socha den zum Alltag gewordenen Gräueln. Und die Flüchtlinge, die ein Jahr lang in Schlamm, Kot und Rattengewimmel ausharren, wirken oft unsympathisch – ob das hochmütige Ehepaar (Herbert Knaup und Maria Schrader) oder der jüdische Gangster (Benno Fürmann).

Hauptfigur bleibt Socha, dessen Wandlung vom Gauner zum Helfer von Robert Wieckiewicz mit faszinierenden Nuancen ausgespielt wird. Zwischen vielen dramatischen Wendungen malt Agnieszka Holland den Flüchtlings-Alltag in stinkender Finsternis so beharrlich aus, als wollte sie den "Kanal", den berühmten Film ihres Lehrers Andrzej Wajda über den Warschauer Aufstand, an nachtschwarzem Horror übertrumpfen. llll

Quelle: RP


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