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Horror ohne Charme

VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 02:30

Remake "A Nightmare on Elm Street"

Wenn jemand aus dem Kino kommt und erzählt, es habe sich alles um Übermüdung, Einschlafangst und gewaltsames Wachhalten gedreht, dann war derjenige entweder in einem x-beliebigen lähmend langweiligen Machwerk oder in einem Horrorfilm mit dem Monstrum Freddy Krueger.

Bösewicht Freddy trat erstmals 1984 in Wes Cravens "A Nightmare on Elm Street" auf, ein untoter Unhold, der Teenagern in ihren Träumen malträtieren und töten kann. Weshalb die Kids verzweifelt versuchen, wochenlang wach zu bleiben, um Freddy, einer Type mit entstelltem Gesicht und Messerklingenhandschuh, nicht begegnen zu müssen.

Sechs Kinofortsetzungen hat "A Nightmare on Elm Street" generiert, ein missglücktes Crossover mit einer anderen Horrorreihe, "Freddy vs. Jason", und unzählige Zitate quer durch die Popkultur. Michael Bay hat trotzdem ein Remake des ersten Teils produziert, mit Musikvideomacher Samuel Bayer auf dem Regiestuhl und Jackie Earle Haley als Freddy.

Das ist keine vulgäre, grenzhysterische Trash-Orgie geworden, wie sie der Regisseur Rob Zombie vielleicht abgeliefert hätte. Die Neuauflage ist über weite Strecken erbarmenswert beflissen und möchte das Original überall dort modernisieren, wo Teenager von heute Zeichen und Muttermale einer gestrigen Welt erkennen.

Klamotten, Autos, Elektrogeräte und das Gebaren der Teenager werden auf den neuesten Stand gebracht. Und es gibt eine obligatorische Internetszene: Ein Opfer kommt vor laufender Web-Kamera zu Tode.

Wes Cravens Urfilm lebte von seiner Atmosphäre, von seiner Gruselsteigerung, davon, dass man lange mehr ahnte als man sah. Keine der Fortsetzungen wurde ein ähnlich geschlossener Filme, alle lebten nun von den fantasievolleren ihrer Alptraumvisualisierungen – und auch davon, dass man einst immer ein wenig staunte, was die Horrormacher da tricktechnisch wieder hinbekommen hatten.

Letzterer Reiz fällt nun weg, weil wir dem Bildcomputer alles zutrauen. Auf leise Gruselmomente mag das Remake sich nicht verlassen. Es führt früh viel Freddyfratziges vor. Aber seine Alptraumkreationen sind kein bisschen originell. Die Persönlichkeiten der Opfer bleiben so hingestrichelt wie in den Vorgängerfilmen, weshalb wir nicht mit ihnen mitbibbern können. "A Nightmare on Elm Street" wirkt so, als schaue man als Bowlingmuffel dem Übungskegeln fremder Amateure zu: Ein Kegelchen fällt um, noch eines, und die Augenlider werden einem schwer und schwerer. l

Quelle: Rheinische Post

 
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