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Der Prinz aus der Gosse

VON FRANK NOACK - zuletzt aktualisiert: 20.05.2010 - 02:30

Viel Action vor sandiger Kulisse bietet der neue Fantasyfilm aus dem Hause Disney. Während die Ausstattung das Übliche bietet, überraschen die Darsteller, allen voran Titelheld Jake Gyllenhaal, durch ausdrucksstarkes Spiel.

Das Liebesthema, das Harry Gregson-Williams für den Prinzen von Persien und seine Prinzessin komponiert hat, kommt einem bekannt vor. Es weckt Erinnerungen an die Titelmelodien von "Lawrence von Arabien" und "Die Mumie". Das passt zu einem Film, der, was Anspruch und Qualität betrifft, irgendwo dazwischen liegt, wenn auch näher an der "Mumie" als an "Lawrence". Die Macher von "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" bemühen sich um intelligente, oder jedenfalls nicht zu dumme Unterhaltung. Das Publikum soll seinen Spaß haben und ein klein wenig nachdenken. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist annehmbar, hätte aber besser ausfallen können.

Ausstattung, Kostüme und Ausleuchtung sind von bestürzender Einfallslosigkeit. Kein Bild bleibt im Gedächtnis, alles hat man schon einmal gesehen. Die Farbpalette wird, wie in dem Genre üblich, von Gelb-, Ocker- und Orangetönen dominiert. Draußen bestimmt der Wüstensand die Farben, drinnen das Kerzenlicht. Auf die Dauer wirkt das eintönig, sogar billig.

Bei "Prince of Persia" handelt es sich um reinstes Produzentenkino. Auf die groben Zutaten kommt es an, um eine persönliche Handschrift und Nuancen geht es nicht. Sieben Produzenten, an ihrer Spitze Jerry Bruckheimer, werden im Nachspann erwähnt. Der Regisseur Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") hatte da offenbar wenig zu melden, er stand auch nie im Verdacht, ein großer visueller Künstler zu sein. Newells Stärke war bisher die Schauspielerführung, und auf dieser Ebene kann "Prince of Persia" überzeugen. Obwohl ihre Rollen nicht besonders gut geschrieben sind, gelingt es den Darstellern, ihre ansprechende Persönlichkeit einzubringen.

Das Drehbuch ist immerhin solide. Es bietet keinen Dialogwitz, keine ausgefeilte Sprache, aber wenigstens eine spannende Handlung. Man vergisst, dass der Film auf einem Computerspiel basiert. Dastan (Jake Gyllenhaal), der Titelheld, ist kein Prinz von Geburt an, sondern ein Junge von der Straße, der sich todesmutig für einen anderen Jungen eingesetzt hat. Der König Sharamas (Ronald Pickup) hat ihn daraufhin adoptiert. Die gebürtigen Prinzen Garsiv (Toby Kebbell) und Tus (Richard Coyle) lieben Dastan wie einen Bruder – scheinbar. Nach der Ermordung des Königs verdächtigen sie ihn, er habe seinem Förderer ein vergiftetes Gewand überreicht. Dastan muss untertauchen, und der einzige Mensch, dem er noch trauen kann, ist sein Onkel Nizam (Ben Kingsley).

Die Lage wird noch kompliziert durch das Auftreten der schönen, stolzen Tamina (Gemma Arterton). Die Prinzessin aus einem Nachbarstaat, den Dastan angegriffen hat, hasst ihn als Eroberer, der sie zur Sklavin gemacht hat. Jetzt, wo er selbst gejagt wird, sitzt sie mit ihm in einem Boot. Sie brauchen einander, aber das Misstrauen bleibt, und sie liefern sich einen Kampf der Geschlechter.

Die Drehbuchautoren haben fleißig Ideen geklaut. Sie bedienen sich bei der Joseph-Legende, bei "Ben Hur", bei den klassischen Screwball-Komödien und Road Movies. Aber sie haben gut geklaut. Literatur- und Filmkenner werden nicht umhin kommen, nach Zitaten zu suchen – und das Geschick zu bewundern, mit dem sie verarbeitet wurden.

Auf Religiosität und Spiritualität haben die Macher des Films verzichtet. Dafür plädieren sie für mehr Respekt vor anderen Kulturen. Der von König Sharaman geduldete, von Prinz Dastan ausgeführte Angriffskrieg gegen ein Nachbarvolk erweist sich als ungerechtfertigt. Dieses Volk besaß gar keine Massenvernichtungswaffen, das war nur ein Vorwand für die Invasion. Hollywood möchte sich offenbar für gewisse Kriegseinsätze entschuldigen. Die Botschaft wird verstanden, vermag aber nicht ganz zu überzeugen. Zu westlich und nordisch wirken die Stars, als dass man sie für Prinzen und Prinzessinnen von Persien halten könnte.

Es gibt in dem Film keine bewussten Anachronismen und keine deftigen Kalauer. Aber es gibt die Rewind-Taste. Es wird zurückgespult. Der im Titel erwähnte "Sand der Zeit" gibt dem Prinzen die Möglichkeit, sich selbst einen Dolch ins Herz zu rammen und ein paar Sekunden später wieder am Leben zu sein. Dank der nicht sonderlich inspirierten Computeranimationen wird der Zuschauer in solchen Momenten daran erinnert, dass nicht das Persien des 6. Jahrhunderts der eigentliche Schauplatz dieses Filmes ist, sondern ein Trickfilmstudio von heute. lll

Quelle: Rheinische Post

 
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