Berlin: Europäischer Filmpreis: Sieger von Trier schweigt
VON NADINE EMMERICH - zuletzt aktualisiert: 05.12.2011 - 02:30Berlin (RP). Lars von Triers Endzeit-Drama "Melancholia" ist zum besten europäischen Film gekürt worden. In Abwesenheit des dänischen Regisseurs nahm seine Frau Bente Froge am Samstagabend den Europäischen Filmpreis entgegen. Eine Dankesrede hatte sie nicht dabei: "Er hat keine Nachricht für euch, weil er entschieden hat, keine Statements mehr zu geben."
Er habe sie jedoch gebeten, "euch freundlich zuzuwinken". Von Trier hatte im Mai beim Filmfest in Cannes mit Nazi-Äußerungen für einen Eklat gesorgt. Sein Film warmit acht Nominierungen ins Rennen gegangen. Bei der Gala in Berlin schien es lange erst so, als hallten von Triers wie auch immer gemeinte Äußerungen aus Cannes zu seinen Ungunsten nach. In den Kategorien Regie und Drehbuch ging er leer aus und musste der Dänin Susanne Bier ("In einer besseren Welt") und den belgischen Regiebrüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne ("Der Junge mit dem Fahrrad") den Vortritt lassen. Schließlich bekam "Melancholia" aber doch noch zwei weitere Ehrungen: für Kamera und Szenenbild.
Das deutsche Kino war am Samstag mit nur zwei Nominierungen vertreten. Mathilde Bonnefoy bewarb sich mit dem Schnitt von Tom Tykwers Beziehungsdrama "Drei", ging jedoch leer aus. Regisseur Wim Wenders konnte sich hingegen über eine weitere Auszeichnung für seinen 3D-Tanzfilm "Pina" freuen, der Europäischer Dokumentarfilm 2011 wurde. Wenders setzte darin der 2009 verstorbenen Leiterin des Wuppertaler Tanztheaters, Pina Bausch, ein filmisches Denkmal. Dabei war Wenders, der auch Präsident der European Film Academy (EFA) ist, kurz vor Beginn der Gala noch nicht mal mit seiner Rolle als Nominierter warm geworden: Er fühle sich nach wie vor "als Gastgeber", weniger als Nominierter, sagte er auf dem roten Teppich.
"Pina" erhielt bereits den Deutschen Filmpreis. Zudem bewirbt sich die Doku zwei Mal um einen Oscar: Sie wurde als deutscher Beitrag für das Rennen um den besten nicht englischsprachigen Film ausgewählt und ist unter den Bewerbern in der Kategorie Dokumentarfilm. Bester Schauspieler wurden Tilda Swinton ("We Need To Talk About Kevin") und Oscar-Preisträger Colin Firth ("The King's Speech"). Beide blieben wie von Trier der Gala fern. Nominiert waren auch Kirsten Dunst sowie Charlotte Gainsbourg für "Melancholia".
Der besondere Ehrenpreis der EFA ging an den französischen Schauspieler Michel Piccoli, der auch als bester Schauspieler für seine Rolle als Papst in "Habemus Papam" ins Rennen gegangen war. Bruno Ganz und Volker Schlöndorff sagten, sie überreichten Piccoli den Preis "aus Liebe". Der britische Regisseur Stephen Frears ("Die Queen") wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen ("Casino Royale") erhielt die Trophäe für seinen Beitrag zum Weltkino. Dies sei die Art von Preis, die einen spüren lasse, dass man "alt" sei, sagte er. Der erneut von Anke Engelke moderierte 24. Europäische Filmpreis wurde in insgesamt 17 Kategorien verliehen.
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