Die "Wolf-Gäng" auf der Bühne
zuletzt aktualisiert: 08.07.2010 - 02:30mit Wolfgang Hohlbein über sein erstes Musical für Kinder
Neuss Wolfgang Hohlbein ist mit 200 verlegten Buchtiteln und 35 Millionen verkauften Exemplaren der erfolgreichste Fantasyautor Deutschlands – und der produktivste. Mit seiner Tochter Rebecca (32) hat der in Neuss lebende Schriftsteller nun die gemeinsame Kinderbuchreihe "Die Wolf-Gäng" zu einem Musical umgearbeitet. Es ist die erste Musicalproduktion des 56-Jährigen. Morgen wird sie im Schulzentrum Kaarst uraufgeführt.
Wieso ein Musical?
Wolfgang Hohlbein Wir gehen selbst gern ins Musical, um uns an der Musik zu erfreuen. Bestimmt haben wir jedes Musical schon zwei- oder dreimal gesehen. Wir hatten den verrückten Plan, auch eines unserer Bücher auf die Bühne zu bringen. Inzwischen schreibe ich seit fast 30 Jahren Bücher – jetzt kann ich es mir leisten, auch mal ein dreiviertel Jahr ehrenamtlich Ausflüge in andere Bereiche zu unternehmen. Schon als Kind war es mein Traum, mit einer Heavy-Metal-Band auf der Bühne zu stehen.
Was muss man bei der Adaption einer fantastischen Geschichte beachten?
Hohlbein Es ist herausfordernd, einen fantastischen Stoff für die Bühne umzusetzen. So war es unmöglich, eine kleine Elfe zum Fliegen und Abstürzen zu bringen. Rebecca hat das Skript und die Songs geschrieben. Mein Part war der, danebenzusitzen und zu meckern.
Wolf-Gäng – das klingt autobiografisch. Welche Figur steckt in Ihnen?
Hohlbein Es geht um drei Charaktere Faye, Vlad und Wolf – eine Elfe, einen Vampir und einen Werwolf. Mir steht der Vampir am nächsten. Es ist die Figur, die ich am liebsten weiterentwickle, wenn ich an einem Band der Reihe schreibe. Wir verfassen die Geschichten zu dritt, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. In loser Reihenfolge schreibt jeder von uns mal einen Band. Jeder Charakter, den man entwickelt, trägt auch Züge von einem selbst.
Seit drei Jahren werden reihenweise Vampirromane geschrieben – mit der derzeit prominentesten Vertreterin Stephenie Meyer. Ist das ein Grund für Sie, das gerade nicht zu machen?
Hohlbein Es gibt zwei Arten, mit der Vampirwelle umzugehen. Entweder sie abzulehnen oder aber es anders zu machen. Ich habe gerade ein Buch zu dem Film "Wir sind die Nacht" geschrieben. Auch darin geht es um Vampire. Und ich muss sagen: Ich habe Blut geleckt. Wenn diese Begeisterung länger als drei Monate anhält, dann schreibe ich vielleicht einen Vampirroman, mit einem anderen Blickwinkel.
Sie haben in Ihren ersten Jahren als Autor leichtere Geschichten geschrieben, doch mit den Jahren sind ihre Figuren düsterer geworden. Warum?
Hohlbein Ein naives Märchen schreiben, das kann ich heute nicht mehr. Ich habe mich weiterentwickelt. Die dunklen Helden haben mich immer schon mehr fasziniert. Ich bin mit Karl May groß geworden. Seine Figuren laufen auch nicht gerade lachend durch die Gegend. Und wen interessiert Luke Skywalker, wenn es Darth Vader gibt?
Sie setzten sich für die Förderung von Kindern und Jugendlichen ein. War dies auch Anlass zu sagen, jetzt machen wir ein Musical und zwar dort, wo wir leben, im Rhein-Kreis Neuss?
Hohlbein Das Musical soll in erster Linie unterhalten und Spaß machen. Das verbinde ich auch mit meinen Büchern. Wir wollen nicht pädagogisieren
Planen Sie weitere Ausflüge in die Musik oder den Film?
Hohlbein Es soll bald ein zweites Musical geben. Die Landesbühne Niedersachsen will "Märchenmond" aufführen. Außerdem ist eine Verfilmung der "Wolf-Gäng-Bücher" für kommenden Sommer geplant. Mit Christian Becker als Produzent und Nick Romeo Reimann aus den Wilden Kerlen in der Hauptrolle.
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