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Duisburg: Der Goldschmied als Künstler

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30

Duisburg (RP). Eine Kröte hockt auf einem Finger, umschließt ihn rechts und links mit ihren Beinchen. Doch hat sie geschwungene Widderhörner am Kopf – und der ist ein glänzender Totenschädel. Wenn Georg Hornemann Ringe entwirft, sind das kleine Skulpturen, denen man ihre Bestimmung erst auf den zweiten Blick ansieht. Und doch sitzen sie perfekt am Finger, umspielen ihre Funktion. Weil Hornemann ein Grenzgänger ist zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Schmuck und Skulptur, sind nun von Freitag an Arbeiten von ihm im Duisburger Lehmbruck-Museum zu sehen: in der Ausstellung "Objets d'Art".

Hornemann ist Handwerker. Und wenn er im Lehmbruck-Museum an einer Vitrine steht, zwei Brillen auf der Nase, ein weißes Tuch über der Schulter, und vorsichtig ein Skelett aus Silber mit einer Stola aus Amethysten zurechtrückt, dann sieht man, dass da einer bei der Arbeit ist, dem es um Präzision geht. Doch zugleich weisen seine Stücke über das Handwerkliche hinaus, sind Figur gewordene Konzepte, erzählen Geschichten, vereinen Zitate aus der Kunstgeschichte. Ist deren Erfinder also Handwerker oder Künstler? Hornemann lächelt: "Ich bin Goldschmied", sagt er schlicht, "ich habe all diese Bilder, Erlebnisse, Träume im Kopf. Daraus entwickle ich Ideen und verwirkliche sie mit meinen Händen." Sein Antrieb, sagt er, sei der Drang zu gestalten, "herauszufinden, was machbar ist".

Dieser Drang trieb Hornemann bereits als Kind. Da hat er Blumen, Tiere gezeichnet und Flugzeuge. "Eigentlich wollte ich Flugzeugbauer werden, aber dann lernte mein Vater einen Goldschmied kennen und schickte mich in den Schulferien zu ihm, weil ich gut zeichnen konnte. Und ich wusste sofort: Das ist es, das willst du machen."

Hornemann, 1940 in Dessau geboren, ging in Essen in die Lehre, legte 1966 die Meisterprüfung ab. Mit seinen extravaganten Entwürfen und seiner technischen Meisterschaft tat er sich bald hervor in seiner Zunft und gewann zahlreiche internationale Wettbewerbe. Im Lehmbruck-Museum sind Entwürfe für solche Wettbewerbsarbeiten zu sehen, die Entwicklung des Goldschmieds wird da nachvollziehbar und zugleich das Zeitlose seines Stils.

Warum diese Arbeiten in ein Museum gehören, darauf gibt die Ausstellung selbst eine Antwort: Da hängt gleich draußen vor dem Eingang zu Hornemanns Schatzkammer Max Ernsts "Versuchung des Heiligen Antonius" aus dem Museumsbestand. In dem Gemälde ist all das höllische Getier zu sehen, dem man auch in Hornemanns Arbeiten begegnet. Etwa in seinen Bronzeskulpturen, in denen sich das Gewürm windet. Oder wenn Hornemann gleich ganze Skelette zum Tanz bittet und die dann ihre perfekt polierten Knochenarme in die Luft schwingen wie Ballerinas.

"Ich bin mit dem Tod aufgewachsen", sagt Hornemann. "Ich habe schon als Junge bei Beerdigungen die Messe gedient, habe erlebt, wie die Verwandtschaft sich von einem Onkel verabschiedete, weil klar war, er würde bald sterben. Das war vollkommen natürlich, es gehörte zum Leben." Diesen gelassenen Umgang mit dem Tod vermisst Hornemann in der Gegenwart, darum arbeitet er das Memento mori immer wieder in seine Stücke ein.

"Wir alle würden besser leben, wenn wir gelegentlich daran dächten, dass unsere Zeit endlich ist", sagt Hornemann. Dass sich Künstler durch ihr Werk womöglich selbst gegen die Vergänglichkeit stemmen, ist ihm dagegen ein fremder Gedanke. "Darum ging es mir nie", sagt er, "ich wollte einfach immer schaffen aus der Fülle heraus."

Eine exquisite Auswahl dieser Fülle ist im Lehmbruck-Museum zu bewundern – bis zum 11. März. Dazu ist im Distanz-Verlag ein Katalog erschienen.

Quelle: RP


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