Bochum: Das Herz der Ruhrtriennale
VON MAX FLORIAN KÜHLEM UND MARION MEYER - zuletzt aktualisiert: 07.10.2011 - 02:30Bochum (RP). Vier Mönche streuen ein Mandala, ein rituelles Sandbild, als Meditation. Stundenlang sitzen sie im Schneidersitz, konzentriert auf Formen und Farben, in denen das fünf mal fünf Meter große Bild entstehen soll. Es folgt einer Vorgabe, die etwa 2500 Jahre alt ist. In Bhutan gehören die Mandalas zur buddhistischen Tradition und entstehen normalerweise nur in Tempeln.
Der Buddhismus bildet das thematische Zentrum der letzten Ausgabe der Ruhrtriennale unter Willy Decker. Zum Abschluss seiner Intendanz hat er Mönche aus dem kleinen Himalaya-Königreich einfliegen lassen, um die Jahrhunderthalle in Bochum durch das Mandala segnen und reinigen zu lassen. Noch bis Sonntag kann man die Mönche bei ihrer Meditationsübung beobachten, teilweise stehen hunderte Zuschauer um die Mönche herum in der ehemaligen Industriehalle.
"Die Schriften sagen uns, welches Mandala zu welchem Ritual passt", erklärt Mönch Gemb Dorji. Er spricht als Einziger gut Englisch und steht in seiner leuchtend roten Kutte für Fragen zur Verfügung. Das Mandala-Streuen ist ein wichtiger Teil des spirituellen Lebens der Mönche. Sie lernen die Muster auswendig, die aus Blumen, Ornamenten, feinen Linien und kleinen Haufen bestehen und ein Haus für die Götter symbolisieren. Höchst geschickt lassen sie den feinen Sand durch die Finger rinnen.
Genauso wichtig wie die Herstellung des Mandalas ist auch seine Zerstörung: Am Sonntag wird mit Hilfe eines Diamantzepters das Sandbild zerstört, das Material zusammengekehrt und – hier – in die Emscher geworfen. Das beruhigt die Geister, so dass sie sich wiederum mit guter Ernte, Frieden und Gesundheit bei den Menschen bedanken, erläutert der Mönch.
Kurz vor diesem beeindruckenden Finale zieht Willy Decker Bilanz: 44 000 Zuschauer in mehr als 140 Vorstellungen von 34 Produktionen. Mit der Zuschauerzahl erreichte der scheidende Intendant zwar nicht das Hoch seines Vorgängers Jürgen Flimm (78 000), dafür stellte er mit einer Auslastung von 87 Prozent dessen Rekord ein. Das schnöde Zahlenwerk präsentierte der künstlerische Kopf nur am Rande. Decker, der selbst praktizierender Buddhist ist, sind andere Dinge wichtig: "Die Zerstörung des Mandalas ist ein schöner Abschluss. Es wird Raum geschaffen für das Neue, wir werden ein Stück Geschichte der Triennale, ziehen weiter wie Nomaden." Für NRW-Kulturministerin Ute Schäfer ist ein weiterer großer Schritt zur Etablierung des Festivals gelungen: "Die Ruhrtriennale ist unheimlich wichtig für die Region und hat sich internationales Renommee erarbeitet. Indem wir Industriehallen zu diesen einzigartigen Bühnen machen, senden wir ein Signal des Wandels in die ganze Welt." Die nächste Ruhrtriennale dauert vom 16. August bis zum 30. September 2012.
Streuung des Mandalas: heute und morgen ab 18 Uhr; 9. Oktober, 17 Uhr, Zerstörung in der Jahrhunderthalle Bochum.
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