Das Album des Sommers: englischer Soul von Plan B
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 02:30Die Fernsehsender "Viva" und "MTV" zeigen ständig diesen Clip, in dem ein Milchgesicht vor Gericht steht, sich unvermittelt erhebt und von der Liebe und ihrem Vergehen zu singen beginnt, als wäre er die Wiedergeburt von Marvin Gaye. Die Geschworenen tanzen und schnipsen mit den Fingern, und man wundert sich, dass nicht auch der Richter Robe und Perücke wegwirft. Denn was der Angeklagte da von sich gibt, ist so gut und erheiternd, dass man für den Rest des Sommers nichts anderes mehr hören möchte als ihn.
Plan B nennt sich der 26-jährige Londoner Ben Drew, der stets einen dreiteiligen Anzug trägt, und sein heute erscheinendes Konzeptalbum "The Defamation of Strickland Banks" gehört schon jetzt zu den popmusikalischen Höhepunkten des Jahres. In England, wo die Platte seit April zu haben ist und längst den ersten Platz der Charts erreicht hat, nennen sie ihn die männliche Amy Winehouse. Wie seine Kollegin macht Plan B Soul. Er orientiert sich an der goldenen Ära dieses Genres, an Begriffen wie Motown und Phillysound, und wenn er seine Stimme ins Falsett presst, dann erinnert das an Curtis Mayfield. Auf seinem Album und im Videoclip spielt Plan B, der auf seinem Debüt 2006 noch HipHop machte, die Rolle des fiktiven Platten-Millionärs Strickland Banks. Plan B dokumentiert Aufstieg und Fall: Auf dem Höhepunkt des Erfolgs betrügt Strickland Banks seine Ehefrau, wird angezeigt und ins Kittchen geschickt. Zu jeder Station des Abstiegs gibt es ein Lied, jedes ist ein Hit. Plan B bricht das von Bläsern und Streichern getragene 60er-Jahre-Gefühl mit seinen schwelgerischen Klangfarben durch Rap-Einlagen auf und führt seinen Sound so zurück in die Gegenwart.
Das ist Musik, die Lust macht hinauszugehen.
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