Buch über Barlachs Engel aus der Antoniterkirche
VON KERSTIN ARTZ - zuletzt aktualisiert: 29.04.2011 - 02:30Köln Annette Scholl ist glücklich. Sie und ihre Kollegin Antje Löhr-Sieberg haben es geschafft – ein neues Buch über den Schwebenden, Ernst Barlachs Engel in der Antoniterkirche, mitten im Herzen von Köln. "Der Schwebende ist ein Denkmal von internationalem Rang", sagt Scholl. Sie arbeitet für die AntoniterCityKirche und hat schon diverse Projekte rund um die 250 Kilogramm schwere Bronzestatue organisiert. "Da war uns irgendwann klar, dass wir auch ein Buch über den Engel schreiben müssen."
2007, nach dem Evangelischen Kirchentag in Köln, hat sich Scholl mit einem Team beraten und das Projekt nahm Gestalt an. Jetzt ist das Buch im Kölner Greven Verlag erschienen: neben Texten auch neuen und historischen Bildern, die den Leser in die Geschichte von Barlachs entführen. Sieben prominente Kölner erzählen, welche Bedeutung der Schwebende für sie persönlich hat.14 Texte verschiedener Autoren erklären die historischen, theologischen, aber auch politischen Zusammenhänge des Engels.
"Als die Antoniterkirche nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut und 1952 eingeweiht wurde", erzählt Pfarrer Markus Herzberg, "platzierte man den Schwebenden dort, wo früher der Nazi-Altar stand." Ernst Barlach (1870-1938) schuf den Engel 1927 für den Dom zu Güstrow. Er sollte ein Mahnmal des Ersten Weltkriegs sein. Freunde versteckten eine Kopie des Engels vor den Nazis, die das Original einschmolzen. Die Kopie hängt nun in der Antoniterkirche. Mittlerweile wurde von ihr ein Abdruck genommen, eine weitere Figur gegossen, die den Weg nach Güstrow zurückgefunden hat.
"Auch heute ist er allen Opfern von Gewalt gewidmet", sagt Pfarrer Herzberg. "Wir haben Besucher befragt und sie haben gesagt, dass er ihnen Trost spendet, ein Zuhause gibt und ihr Urvertrauen auf Halt von oben stärkt."
Verleger Damian van Melis verbindet auch die Erinnerung mit dem Engel, so dass er das Projekt bereitwillig unterstützt hat: "Ich habe früher in Schwerin gewohnt. In der Nähe war die Werkstatt, wo die Freunde Barlachs die zweite Statue versteckt hatten."
Info Antje Löhr-Sieberg, Annette Scholl:"Barlachs Engel – Stimmen zum Kölner Schwebenden". Greven, 18 Euro
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