Absagen beim Welttag der Philosophie in Teheran
VON BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 16.07.2010 - 02:30Teheran/Tübingen Die Islamische Republik Iran ist zwar eine Diktatur, doch bot sie bislang unbestritten einzelne Inseln freien Denkens. Deshalb brachte die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, den Mut auf, in diesem Jahr ihren "Welttag der Philosophie" nach Teheran zu vergeben.
Der aber wird, wie sich jetzt herausstellte, ohne einige westliche Koryphäen des Fachs auskommen müssen. Sie haben abgesagt, nachdem bekannt geworden ist, dass der unmittelbar von Präsident Ahmadineschad ernannte Philosoph Haddad Adel die Tagung leiten wird, nicht der politisch untadelige Direktor der Teheraner Akademie, Gholamreza Aavani. Noch vor wenigen Wochen hatte Adel Dissidenten harte Strafen angedroht: Einsperrung in einen Container, Vergewaltigung von Männern und Jugendlichen sowie das Verbrennen der Leichen von Folter-Opfern.
Darauf wies nun Otfried Höffe (66), Professor für Philosophie und Leiter der Forschungsstelle Politische Philosophie an der Universität Tübingen, in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine" hin. Höffe hat seine Teilnahme am Kongress in Teheran abgesagt und erklärte gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung, er habe von Kollegen aus den USA, Brasilien und anderen Ländern erfahren, dass sie ebenfalls nicht im Iran sprechen würden. "Die meisten sind traurig darüber", fügte er hinzu. Denn mit dem auf den 18. November terminierten Welttag der Philosophie in Teheran waren große Hoffnungen verbunden. Man habe darauf gebaut, dass die Teheraner Akademie für Weltweisheit und Philosophie, die sich auch Iranisches Philosophie-Institut nennt, weiterhin unabhängig sei. Das aber habe sich nach dem personellen Eingriff von Ahmadineschad nun grundlegend geändert.
Höffe, der diesem iranischen Institut seit Besuchen im Kant-Jahr 2004 als erstes ausländisches (Ehren-) Mitglied verbunden ist, hatte sich lange mit Kollegen und Doktoranden beraten, ob es richtig sei, an der Veranstaltung in Teheran teilzunehmen. "Die Gründe, die dafür sprechen, überwogen am Ende", so hält er fest. Diese Gründe bezogen sich vor allem auf den als integer erachteten Gholamreza Aavani, der aber die Tagung nun überraschend doch nicht leiten soll. Deshalb werde sich, so befürchtet Höffe, von der "reichen philosophischen Szene" in Iran auf der Tagung nicht viel wiederfinden. Er sieht die Gefahr, dass "ein Weltphilosophietag als Propagandaveranstaltung des Staatspräsidenten missbraucht wird". Und erklärt unmissverständlich: "Dazu kann ich meine Hand nicht reichen."
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