Weiter mit Coaching
VON SIMONE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 31.10.2009 - 02:30Das Telefon bleibt nicht still, das Meeting beginnt in zwei Minuten, an der Tür wartet bereits ein Mitarbeiter, der noch mal eben eine kleine Info für das weitere Vorgehen braucht, auf dem Weg in den Besprechungsraum noch schnell eine wichtige Nachfrage zu einem Auftrag. Alltag für Markus Kottwitz. Er leitet die IT-Abteilung eines mittelständischen Versandhauses im niedersächsischen Lingen und ist bestens organisiert. Er reagiert gelassen, freundlich, souverän.
Das war nicht immer so. Der gelernte Stahlbauschlosser aus dem Ruhrgebiet, war zehn Jahre bei der Bundeswehr in der Logistik, im Datenschutz und der Datenverarbeitung tätig, holte sein Fachabitur nach und qualifizierte sich zum Bürokaufmann und Fachkaufmann für Organisation. Dann kamen die Auslandseinsätze: Somalia, Kambodscha und schließlich Kroatien. "Das war eine Zeit, die mich stark geprägt hat", sagt er. Der heute 42-Jährige erinnert sich noch lebhaft an die grausigen Kriegsschauplätze und Erlebnisse, die ihn dazu bewegten, seine Tätigkeit als Zeitsoldat vorzeitig zu beenden und ein Studium als Wirtschaftsinformatiker aufzunehmen. Nachdem er 2000 den Job im norddeutschen Versandhaus antrat, merkte er, wie zwei Welten aufeinander prallten. "Ich war es gewohnt, dass alles genau organisiert, militarisiert und indoktrinert ist. In meinem neuen Umfeld erfuhr ich so viel Kreativität, Familienzugehörigkeit, eine gewisse Lockerheit, was ja einerseits überaus angenehm ist, aber andererseits war mir dieses ‚Das kriegen wir schon hin', einfach fremd", erzählt er.
An seiner Kompetenz zweifelte keiner, aber die verschiedenen Weltverständnisse führten im täglichen Umgang miteinander zu Kommunikationsproblemen. "Man hat sich angenähert, aber es kam immer wieder vor, dass Zielkonflikte emotional ausgefochten wurden. Ich fing an, die Dinge persönlich zu nehmen", weiß er. Entscheidend sei es, die Balance zwischen der Sache an sich und der persönlichen Ebene zu finden, so Kottwitz. Und die hat er inzwischen für sich gefunden. Ausgangspunkt war ein Gespräch mit seinem Chef, der nicht nur an seine fachliche Kompetenzen glaubte, sondern auch an seine Führungsstärke.
Er empfahl ihm einen Business-Coach. "Ich war zuerst abgeneigt und hielt gar nichts davon. Aber nach der ersten Sitzung wusste ich, das ist es für mich", berichtet er. Seit August 2008 trifft sich Kottwitz einmal pro Monat mit seinem Coach Ralf Gasche. Seitdem geht es auch im Team steil bergauf. Der englische Begriff Coach bedeutet Trainer. Ähnlich einem Trainer, der im Sport die mentalen Fähig- und Fertigkeiten seiner Sportler stärkt, wirkt ein Business-Coach. Er ist neutraler Gesprächspartner und Interaktionspartner zugleich, indem er seinem Klienten Perspektiven zur individuellen beruflichen Weiterentwicklung eröffnet. Aber ist Erfolg trainierbar?
"Ja", sagt Gasche klar. Seine Definition lautet: "Erfolg ist, wenn man sich selbst folgt". Was zunächst so leicht klingt, erfordert allerdings auch ein hohes Maß an Selbstreflexion, denn dahinter stecken grundsätzliche Fragen wie wer bin ich denn, was brauche und möchte ich eigentlich, um danach auch selbstbewusst leben zu können? "Professionelles Coaching setzt an der Persönlichkeit an. Es gilt, mit dem Klienten herauszuarbeiten, ob er mit sich und seinem Job kongruent ist, oder ob er zum Beispiel einem Familienmitglied oder dem Partner zuliebe nur dieser Tätigkeit nachgeht. Oft brechen alte Strukturen auf", weiß Gasche. Christopher Rauen, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Coaching (DBVC) in Frankfurt am Main, erklärt: "Es gibt immer wieder Probleme, die auf einer Sachebene scheinbar gelöst sind, dann aber regelmäßig in einer neuen Variante wieder auftauchen, was die produktive Arbeit deutlich behindert. Dahinter verbergen sich häufig Beziehungsprobleme". Aufgabe eines Coaches sei es, mit dem Klienten diese Ebene zu erreichen und gemeinsam mit ihm Deutungsmuster und Analyseelemente herauszuarbeiten. Es geht um die Verbesserung der eigenen Wahrnehmung, des Gelernten und Erlebten. Insbesondere Führungskräfte nutzen die Möglichkeit des Business-Coachings.
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