Kampf den Drogen
zuletzt aktualisiert: 01.08.2009 - 02:30Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Bätzing Im Moment sind das Hausbesuche, denn ich habe mir für den Wahlkampf 7000 Stück vorgenommen: Ich gehe von Tür zu Tür, stelle mich persönlich vor. Ansonsten ist mein Jahr in Sitzungs- und Wahlkreiswochen unterteilt. Sitzungswochen sind strukturiert wie ein Schul-Stundenplan. In Wahlkreiswochen bin ich meine eigene Terminatorin. Ich gehe in Schulen, Kindergärten, Unternehmen und Krankenhäuser, habe viele Bürgersprechstunden.
Wie haben sich die Zahlen der Drogenabhängigen entwickelt?
Bätzing Die Raucherquote bei Jugendlichen ist deutlich nach unten gegangen. In 2000 hatten noch 28 Prozent der 12- bis 17-Jährigen geraucht. 2008 waren es nur 15,4 Prozent. Auch im Alkoholbereich geht der Trend bei Teenagern dahin, dass weniger regelmäßig getrunken wird. Das Problem sind diejenigen, die Komasaufen betreiben. Diese Gruppe wächst, und es kommen mehr Mädchen hinzu. Im Bereich der Medikamentenabhängigkeit haben wir etwa 1,2 Millionen Betroffene. Für Jugendliche ist das noch kein Riesenthema. Bei Cannabis ist die Zahl der Probierer zurück gegangen. Bei Drogen wie Kokain, Heroin, LSD oder Amphetaminen bewegen wir uns auf einem niedrigen, stabilen Niveau. Heroin ist sogar leicht rückläufig.
Wie hoch ist Ihr Budget für den Kampf gegen Drogen?
Bätzing Bei der Drogen- und Suchtprävention tragen die Länder und Kommunen die Verantwortung. Der Bund wiederum hat neun Millionen Euro für Prävention zur Verfügung – für Tabak, Alkohol, Cannabis, Onlinesucht. Das sind Peanuts, wenn sie vergleichen, dass die Zigarettenindustrie zum Beispiel 380 Millionen Euro für Werbung ausgibt.
Was steckt hinter dem Vorhaben, ein neues Unterrichtsfach einzurichten?
Bätzing Manche Zeitungen haben geschrieben "Bätzing will ein Unterrichtsfach Alkohol". Darum geht es nicht. Als Gründe für das Trinken werden immer wieder genannt "Ich will in der Clique anerkannt sein" und "Stress zu Hause". Das hat was mit Selbstbewusstsein zu tun. Also muss ich Jugendlichen Kompetenzen geben, diese Konflikte zu lösen, damit sie nicht zum Alkohol greifen. Konfliktabbau, Entspannung, Stressbewältigung, darum geht es bei diesem Schulfach.
Brauchen wir härtere Gesetze gegen die so genannten Flatrate-Partys?
Bätzing Wir haben ein gutes Jugendschutzgesetz mit klaren Regelungen, wer Alkohol bekommen darf und wer nicht. Wir haben auch ein gutes Gaststättengesetz. Da steht, dass Alkohol an erkennbar Betrunkene nicht ausgegeben werden darf. Wichtig ist aber auch die Prävention, denn wir wissen, dass die Gesetze nicht so eingehalten werden wie sie sollten. Das heißt, wir müssen das Bauchgefühl erreichen, die Menschen überzeugen. Wenn Gesetze und Prävention zusammen wirken, dann sind wir auf einem guten Weg.
Ist das so genannte Komasaufen denn schlimmer geworden?
Bätzing Ja, es gibt Veränderungen im Trinkmuster und bei den -sitten. Das Auffälligste ist, dass die Konsumenten jünger werden. Das Durchschnittsalter liegt bei 14 Jahren, wir haben aber auch schon Zwölfjährige, die wirklich betrunken ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wir hatten in den letzten Jahren einen enormen Anstieg an Alkoholvergiftungen: Im Jahr 2000 waren es knapp 9500 Jugendliche, im letzten Jahr 23 000 Jugendliche.
Was sagen Sie zu Foto-Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen?
Bätzing Wir haben schriftliche Warnhinweise seit 2002. Sie informieren über die Gefahren und unterstützen aufhörwillige Menschen. Die Bild-Warnhinweise gibt es beispielsweise schon in Belgien. Wir warten noch eine Studie ab, in der ermittelt wird, welche Bilder die beste Wirkung erzielt haben. Dann werden wir genau diese auch übernehmen. Ende 2010 werden wir dann Tabakprodukte mit bildlichen Warnhinweisen haben, denn manchmal sagt ein Bild von einer Raucherlunge eben mehr als 1000 Worte.
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