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Der Patent-Anwalt

VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 14.02.2009

Von dem, was er heute beruflich macht, hatte Jens Borkowski bis zum Ende seines Studiums noch nie etwas gehört. "Es gibt Patente, und es gibt Anwälte, das ist klar. Aber was genau macht denn ein Patentanwalt?", fragte er den Juristen, der ihm diesen Beruf empfahl, während er gerade seine Diplomarbeit in Physik schrieb. Und nachdem er sich ein wenig informiert hatte, stellte Borkowski fest: "Das ist genau das Richtige für mich." Heute arbeitet der gebürtige Herforder in einer renommierten Düsseldorfer Kanzlei und betreut deutschlandweit und im Ausland Mandanten, die ein Patent anmelden möchten.

Faszinierende Idee

Seine Kanzlei "Cohausz Dawidowicz Hannig & Sozien" beschäftigt sich vor allem mit Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie. "Wir betreuen in erster Linie Unternehmen, die für die Weiterentwicklung eines Produktes ein Patent anmelden möchten." Doch auch freie Erfinder melden sich in der Düsseldorfer Kanzlei. "Immer wieder fasziniert Erfinder die Idee vom Perpetuum mobile, das völlig ohne Energie von außen auskommt. Aber das ist physikalisch unmöglich."

Borkowski erklärt: "Um ein Patent erteilt zu bekommen, muss eine Erfindung neu sein, das heißt weltweit unbekannt." Ein Metzger, der sich vor einiger Zeit mit seiner Erfindung von fettarmer Joghurt-Bratwurst zuerst an die Medien und dann ans Patentamt wendete, hatte daher keine Chance. Und auch die Idee, gesunkene Schiffe zu heben, indem man Bälle in den Rumpf pumpt, die das Wasser verdrängen, ist nicht neu: Tick, Trick und Track wandten diese Methode bereits 1949 in einem Walt-Disney-Comic an. Diesen Comic zeigt Borkowski oft, wenn er an Universitäten Vorlesungen zum Patentrecht hält. Wer sich für die Tätigkeit als Patentanwalt entscheidet, muss wissen, dass vor dem Traumjob eine lange Durststrecke wartet. Hinter Jens Borkowski liegt ein langer und harter Weg. Studiert hat er Physik in Bielefeld. "Mich hat schon immer interessiert, wie die Dinge funktionieren", erklärt der 40-Jährige. Ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium ist die erste Voraussetzung dafür, Patentanwalt werden zu können. Doch damit ist es bei weitem nicht getan: Was folgt, ist eine mehrjährige Spezialausbildung – einer der Gründe dafür, warum es nur wenige Patentanwälte gibt, etwa 3000 in ganz Deutschland. "Neben den mehr als 150 000 Juristen nehmen wir einen nahezu verschwindend geringen Bruchteil ein", sagt Borkowski.

Hoher Aufwand

Auf das Studium folgt ein Jahr Praxis, etwa in Form eines Industriepraktikums. "Ich hatte Glück, dass mir meine dreijährige Promotion über Lasertechnik angerechnet wurde", erzählt Borkowski. Dann ist eine 26-monatige Ausbildung bei einem Patent-Anwalt notwendig, "mit hohem Arbeits- und Lernaufwand", gibt Borkowski zu bedenken. Zwei Jahre bilden sich die Anwärter zudem an der Fernuni Hagen weiter, schreiben Klausuren und Hausarbeiten.

Acht Monate lang dauert die anschließende Präsenzphase beim Deutschen Patent- und Markenamt und beim Bundespatentgericht mit anschließender Prüfung. Dann kann er endlich erfolgen: Der Antrag auf die Zulassung als Patentanwalt. Empfehlenswert ist danach eine weitere Ausbildung mit Prüfung, um auch beim Europäischen Patentamt zugelassen zu werden – Durchfallquote 70 Prozent.

Als mögliche Berufsfelder nennt Jens Borkowski zum einen die Arbeit als Angestellter in der Patentabteilung einer Firma, zum anderen das, was er selbst macht – die Arbeit in einer Kanzlei. Zudem hält er Vorlesungen an der Uni Düsseldorf. Was sollte ein guter Patentanwalt mitbringen? "Technisches Verständnis, ein gutes Sprachgefühl, keine Scheu und Freude am Umgang mit Menschen." Schließlich gilt es, die Erfindungen der Mandanten zu verstehen, sie mit wohl gewählten Worten zu präsentieren und gegebenenfalls vor Gericht zu verteidigen. Gutes Englisch sei absolute Pflicht, Französischkenntnisse von Vorteil.

Ob Jens Borkowski jemals daran gedacht hat, aufzugeben? "Nein, niemals. Ich finde meinen Beruf jeden Tage aufs Neue spannend."

Quelle: Rheinische Post

 
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