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Mit dem Q3 durch China

VON DAGMAR HAAS-PILWAT - zuletzt aktualisiert: 24.12.2011 - 02:30

Die Warnungen sind eindringlich und eindeutig: Auf Chinas Autobahnen sind auch Fußgänger unterwegs und natürlich Falschfahrer. Es wird links und genauso rechts überholt, auf dem Standstreifen sowieso. Mopeds, Fußgänger, Busse, Fuhrwerke und andere Fahrzeuge queren Kreuzungen, ohne sich um Verkehrsschilder zu kümmern. "Rechts vor links" heißt auf Chinesisch "rein in jede nur mögliche Lücke", und Vorfahrt hat, wer im Verkehrsfluss ist. Ohne Vorwarnung enden Autobahnen in einer Baustelle, Verkehrsschilder warnen vor dem Einschlafen, Busfahrer wenden waghalsig auf der Landstraße. Die Chinesen fahren heutzutage mit ihren Autos so, wie sie noch bis vor kurzem mit Fahrrädern unterwegs waren: immer dahin, wo Platz ist.

Autofahren im bevölkerungsreichsten Land der Erde, ist eines der letzten großen Abenteuer. Kein Wunder, dass man mit einem deutschen oder Internationalen Führerschein dort nicht weit kommt. Hier darf nur der Ausländer hinterm Steuer sitzen, der im Land lebt und die schwierige Führerschein-Prüfung bestanden hat. Es sei denn, einer wie Autobauer Audi macht eine befristete Ausnahme möglich. Und so konnten Journalisten aus aller Welt in 20 brandneuen, samoa-orange-farbenen Geländewagen Q3 bei der "Trans China Tour 2011" in vier Etappen 5700 Kilometer quer durch das Land der Mitte unterwegs sein.

Der Autoabsatz in China boomt, und vor allem SUVs sind gefragt. Auf unserer Etappen-Tour über gut 800 Kilometer durch den Süden – von Shenzen über Guangzhou, Zhaoqing und Yangshou nach Guilin – wurde klar, aus welchem Grund: Die kompakten Allrader sorgen für ein sicheres Gefühl hinter dem Steuer, verleihen dem Fahrer eine gewisse Autorität. Denn abseits der Autobahnen lässt die Qualität der Straßen deutlich nach. Schlaglöcher, Risse, großflächige Pfützen sind üblich.

Wir sind jedenfalls für alle Notfälle ausgestattet: Mit Toilettenpapier, Wasser, CB-Funk, chinesischem Handy, GPS-Ortung, Bilderwörterbuch, Notgeld in Yuan und einem Navi geht's zu zweit in einem Auto los. Die erste Straße rechts, die nächste links – schon stecken wir mit 211 PS auf einem zehnspurigen Highway mitten im Rush-Hour-Stau von Shenzen. Dunkel wird's auch noch. Kolonne fahren ist unmöglich. Die Fahrer der Wagen verlieren sich zwischen den Hochhaus-Schluchten aus den Augen.

Die Stadt vor den Toren von Hongkong ist in zwei Jahrzehnten zu einer 14-Millionen-Einwohner-Metropole explodiert. Stau und Smog sind grauer Alltag. Alle nur erdenklichen Vehikel teilen sich die Straßen – angetrieben von Motoren oder Muskelkraft. Die Hupe ist das wichtigste Requisit an Bord. Der Straßenlärm ist ohrenbetäubend. Damit alle Bescheid wissen, wo man sich gerade durchdrängelt, wird ständig gehupt. Die Verkehrsdisziplin steht im krassen Gegensatz zur Parteidoktrin.

Auf den Autobahnen ist es dagegen herrlich leer. Obwohl die Geschwindigkeit auf 120 km/h beschränkt ist, geben die Fahrer Vollgas, denn überladene Lastwagen, wie sie überall den Verkehr stauen, gibt es hier nicht: Die Autobahn ist mautpflichtig und den Fahrern zu teuer. Sechs Euro pro 100 Kilometer und das bei einem Durchschnitts-Pro-Kopf-Einkommen von 6050 Euro im Jahr. Andererseits gibt es eine Million Euro-Millionäre – Tendenz steigend. China ist der Zukunftsmarkt für Europas Luxusindustrie und ihre Premiumautos. Der Konsumhunger wächst, die Neugier auf Westliches ist riesig: Auf der Raststätte, umkreisen einen die Truckerfahrer. Sie wollen am Steuer Platz nehmen, den Motor inspizieren und wissen: Was kostet der?

Dass ein SUV in China durchaus seine Berechtigung hat, beweisen die Offroad-Touren über Land. So schön die Serpentinen durch reizvolle Bergregionen rund um die Stadt Guilin sind, so abenteuerlich sind häufig die Straßenverhältnisse. Doch der Q3 macht seine Sache gut. Matschiges Gelände, sumpfige Grasböden, steile Abhänge – kein Problem. Für den prompten Stopp leisten die leicht dosierbaren Scheibenbremsen und der hydraulische Bremsassistent gute Dienste. Nicht schlecht, falls die enge, unbefestigte Schotterpiste sich plötzlich auftut oder einem der Bauer mit seinen Kühen entgegenkommt.

Quelle: RP


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