Nicht nur die Fußballbranche wird als Plattform für kriminelle Machenschaften missbraucht. Im Tennis steht derzeit die Dänin Caroline Wozniacki unter Verdacht, bei Wettbetrügereien mitkassiert zu haben. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ihr Auftritt bei einem Turnier in Luxemburg vor genau einem Monat. Dort führte die Dänin mit 7:5 und 5:0 in ihrer Erstrundenpartie, als sie plötzlich ein Zwicken im Bein verspürte und aufgab. So oder ähnlich schlägt das Schicksal oftmals im Sport zu. Doch in diesem Fall sind Minuten vor der Aufgabe der 19-Jährigen hohe Wetten auf einen Sieg ihrer Kontrahentin, der Lokalmatadorin Anne Kremer, platziert worden. Der Tennisweltverband (ITF) ist stutzig geworden und hat Ermittlungen gegen die Vierte der Weltrangliste eingeleitet – ihr wird Spielmanipulation vorgeworfen.
Es ist nicht das einzige Verfahren, das in den vergangenen Monaten gegen einen Profi-Tennisspieler eröffnet wurde. Nach Informationen unserer Zeitung sind davon auch Partien bei den French Open in Paris betroffen. Die Buchmacher der großen Anbieter in Europa hatten Informationen darüber erhalten, dass verschiedene Akteure aus dem ost- und südeuropäischen Raum, gelinde gesagt, nicht mit übereifrigem Arbeitseinsatz an ihr Tagwerk gehen wollten. Komplizen im Hintergrund sollen mit ihnen gemeinsam hohe Einsätze platziert haben. Unlängst haben die Wettanbieter dem Verband eine Liste mit 140 verdächtigen Spielen zwischen 2002 und 2007 vorgelegt – betroffen sind Turniere auf allen Kontinenten.
Bei den aktuellen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum ist die Tennis-Szene offenbar nicht direkt verstrickt. In der Vergangenheit hat indes auch ein alter Bekannter aus Betrügereien im Fußball dort gezinkte Wetten platziert. Ante Sapina, Haupt-Drahtzieher im Hoyzer-Skandal vor vier Jahren, hatte ebenso verdächtig hohe Summe auf den Ausgang einzelner Tennispartien gesetzt. Die Masche war dann fast immer gleich: Der Favorit verletzte sich mitten in der Begegnung und gab schließlich das Spiel verloren. Im Vergleich zum Fußball waren das aber nur kleine Gaunereien.
Quelle: Rheinische Post