Saints-Quarterback Brees hat mit seinen präzisen Würfen maßgeblichen Anteil am Erfolg gegen die favorisierten Indianapolis Colts. Es ist der erste Triumph für das Südstaaten-Team in der 43-jährigen Vereinsgeschichte.
Miami Es wird wohl nicht lange dauern, bis sich ein Filmemacher in Hollywood die Rechte an diesem Stück Sportgeschichte sichert. Es ist ein Rührstück, es geht um die Liebe zu einer Stadt, den Glauben an Gerechtigkeit – und am Ende gewinnt natürlich das Gute. Als Tracy Porter in Miami 192 Sekunden vor dem Abpfiff einen Pass von Peyton Manning abfing und zu einem unaufhaltsamen Lauf in die Endzone der Indianapolis Colts ansetzte, unterbrachen sogar die Tänzerinnen in der berühmten Bourbon Street von New Orleans für kurze Zeit ihre Darbietungen. Gebannt verfolgte die ganze Südstaatenmetropole den entscheidenden Touchdown im 44. Super Bowl, dem Endspiel der amerikanischen Football-Liga NFL, ehe sich die Anspannung in einem hochemotionalen Freudentaumel entlud.
"So sollte es geschehen. Das war unser Schicksal", sagte ein sichtlich bewegter Drew Brees im Konfettiregen von Miami. Keine fünf Jahre nachdem der verheerende Wirbelsturm Katrina die Stadt nahezu vollständig verwüstet und Hunderttausende Menschen obdachlos gemacht hatte, führte der Star-Quarterback der New Orleans Saints vor 74 500 Zuschauern seine Mannschaft zum ersten Super-Bowl-Sieg in der 43-jährigen Vereinsgeschichte. Nach dem 31:17 über die favorisierten Colts ließen die Bewohner der gebeutelten Stadt ihrer Freude auf den Straßen freien Lauf. Hupkonzerte, spontane Gesangseinlagen, Feuerwerke und von Einheimischen geherzte Touristen prägten die Szenerie.
Und vor den Fernsehschirmen freuten sich Zuschauer in 230 Ländern mit den Auferstandenen. Für Spielmacher Brees, der mit seinen präzisen Anspielen 288 Yards Raumgewinn und zwei Touchdowns ermöglichte und dafür zum wertvollsten Spieler des Finales (MVP) gewählt wurde, konnte dem Triumph gar nicht genug Bedeutung beimessen: "Wir haben für so viel mehr als nur für uns selbst gespielt." Der 31-Jährige unterschrieb wenige Monate nach der Naturkatastrophe – und fand in New Orleans seine Bestimmung. Brees, der nach elf Schulteroperationen schon abgeschrieben war, identifizierte sich mit der Stadt. Er richtete einen Hilfsfonds ein, war sich nicht zu schade, mit eigenen Händen den Wiederaufbau voranzutreiben.
Zeitgleich entwickelten sich die Saints, die bis dahin allenfalls Mittelmaß verkörperten, zu einem Team mit Perspektive. In dieser Saison verloren sie nur drei Saisonspiele und zogen so erstmals in das Finale der besten Liga der Welt ein. Eine bessere Bilanz wiesen nur die Colts auf. Erst im Dezember riss eine Serie von 23 Spielen ohne Niederlage, die längste in der NFL-Geschichte. Dass es dennoch nicht zur dritten Meisterschaft reichte, lag ausgerechnet auch an Star-Quarterback Peyton Manning. In der Schlussphase des größten Einzelsportereignisses der Welt erlaubte sich der 33-Jährige den entscheidenden Fehlpass und ermöglichte Saints-Verteidiger Porter einen Lauf über 74 Yards und den entscheidenden Touchdown.
Quelle: Rheinische Post