Berlin. Die Vorwürfe gegen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin wegen seiner umstrittenen Äußerungen über die Rolle der Türken in Berlin eskalieren: Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stefan Kramer, stellte Sarrazin gestern in Berlin in eine Reihe mit führenden Nationalsozialisten. "Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist. Er steht in geistiger Reihe mit diesen Herren."
Der frühere Berliner SPD-Finanzsenator Sarrazin hatte in einem Interview unter anderem gesagt: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert". Kramer erklärte, die Sätze Sarrazins seien "perfide, infam und volksverhetzend". In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kramer sagte der Chef der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, die Wortwahl Sarrazins sei "stigmatisierend und menschenverachtend". Sarrazin müsse zurücktreten. Türkische Gemeinde und Zentralrat der Juden erkannten in den Auslassungen Sarrazins über die "Unterschichten"-Problematik eine Parallele zu den "Untermenschen"-Definitionen der Nationalsozialisten.
Im Gespräch mit unserer Zeitung betonte Unionsfraktionschef Volker Kauder zum Fall Sarrazin: "Für mich ist jeder Mensch ein Ebenbild Gottes – ob Deutscher oder Zuwanderer, ob bildungsnah oder bildungsfern." Es sei wahr, dass die Anstrengungen bei der Integration erhöht werden müssten. "Das tun wir aber nicht, indem wir diese Menschen beleidigen", unterstrich Kauder.
Quelle: Rheinische Post